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Stereophonics – Oochya!

Die guten, alten Zeiten, in denen man sorgenfrei bis zum Sonnenaufgang im liebsten Indie-Club ausgeharrt hat und statt Husten höchstens der individuelle Tanzstil für misstrauische Blicke sorgte. Tja, Pandemie mit drohendem Weltkrieg macht nostalgisch. Die Stereophonics liefern mit „Oochya!“ den passenden Soundtrack zur Glorifizierung der Vergangenheit.

Dabei steht der Blick zurück dem walisischen Quartett nach über 25 Jahren Bandgeschichte durchaus zu. So umhauend, wie es der Albumtital „Oochya!“ nahelegt, ist das aktuelle Album der Stereophonics aber nicht. Viel mehr schleichen sie sich mit eingängigen Melodien, Gute-Laune-Vibe und Mitsing-Lyrics in den Gehörgang.

Wo man Frontmann Kelly Jones‘ Worten in Teilen gerne zustimmt, nämlich, dass „Oochya!“ ein emotionales Album ist, hinken seine Erwartungen an anderer Stelle etwas: Es sei eines dieser Alben, das alte und neue Fans gleichermaßen begeistere und das man nicht ausmachen wolle, da so viele verschiedene Stile aufeinander folgen und die einzelnen Songs dabei immer die volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden.

Zugegeben, „Running Round My Brain“ klingt mit seinem stampfenden Schlagzeug, den männerlastigen Backgroundchören und den Gitarren-Riffs nach Classic-Rock und nicht nur das „You“ zu Beginn des Refrains erinnert verdächtig an eine Light-Version von AC/DCs „You Shock Me All Night Long“. Ein bisschen aus der Zeit gefallen, Charme hat das irgendwie trotzdem.

Wo „Running Round My Brain“ mit seiner eigenen Klangwelt etwas raussticht, ähnelt sich ein Großteil der restlichen Songs jedoch. Nach dem rockigen Opener „Hanging On Your Hinges“, der mit verzerrten Gitarren Indie-Rock-Duft der frühen Nuller-Jahre verprüht, ebnet „Forever“ den Weg für den hauptsächlichen Sound von „Oochya!“.

Jones‘ Gesang bewegt sich während der Strophe zu melodiösen Gitarren nur stufenweise, während er zum Refrain Höhen erklimmt, die Sonne aufgehen lässt und damit die perfekte musikalische Vertonung zu den Lyrics ist: „Wish I could fly away forever / Wish I could take your pain for you and release you“.

Immer wieder besinnen sich die Stereophonics auf „Oochya!“ auf genau diesen versöhnlichen Indie-Pop. Mal mit Klavier unterlegt, mal mit Streichern, Gitarren oder eben gefühlt allem zusammen, wie bei dem melancholischem „All I Have Is You“.

Stimmt doch gar nicht, schließlich hat man immer auch die Musik.

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