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Trentemøller – Memoria

In der Regel gilt: Schuster bleib bei deinen Leisten. Gerade unter Musikern. Nicht so beim dänischen Universal-Genie Trentemøller. Mit seinem sechsten Album gelingt ihm ein Triumphzug in Sachen nachhaltiger Vielseitigkeit.

In den von Electronica dominierten Vorgänger-Platten war die Indie-Ader des Anders Trentemøller immer schon mit angelegt. So offen wie auf „Memoria“ ist sie aber noch nie zur Schau getreten. Von Dream-Pop über Elektro, Shoegaze, Ambient bis hin zu Noiserock, begeistert das Album mit einer Bandbreite in harmonischer Eintracht, mondän und gekonnt, nie erzwungen, zum Zunge schnalzen.

Bei seiner vorherigen Platte „Obverse“ empfand er es als experimentelle Freiheit, keine Gedanken daran verschwenden zu müssen, wie das Album live funktioniert. Es würde ohnehin keine Tour dazu geben können. Die Songs ließ er von Gastsängerinnen vollenden, darunter Warpaints Jenny Lee.

Dieses Mal hat er bei allem die Kontrolle behalten und für die wunderbaren Melodien seine Freundin Lisbet Fritze als Sängerin aufgenommen, ein Umstand der auch die Organisation einer möglichen Tour zum Album vereinfachen würde.

Und dass “Memoria”, das auf Trentemøllers eigenem Label In My Room erscheint, live gehört werden sollte, steht außer Frage. Vom einfühlsamen, beinahe intim perlendem Dream-Pop-Opener „Veil Of White“ zu den shoegazigen „Darklands“ und den Elektro-Nächten in „Glow“, verspricht die Tour ein abwechslungsreiches Vergnügen zu werden.

Seit Trentemøller Vater eines zweijährigen Sohnes ist, lässt ihn das Thema Vergänglichkeit nicht mehr los. Diese Songs beschreiben zuverlässig den Zustand zwischen Nicht-mehr-Träumen und Noch-nicht-wach-sein – und sind doch nur die Hälfte des Spektrums.

“Memoria” wäscht sich bei aller Traumlandschaft gelegentlich zu einem vor Kraft strotzenden Album aus, das in Noiserock-Songs wie „Dead Or Alive“ ansehnlich die Muskeln spielen lässt. So funkt es, wenn Post-Punk mit Techno schläft.

Dass in Sachen Vielfältigkeit bis hin zum Dark-Wave eine solch kohärente Synthese möglich ist, lässt die Frage aufkommen, wann The Cure endlich ihr neues Album schaffen und ob sie sich an der Zauberei auf diesem hier nicht ein Beispiel nehmen könnten?

Das Album ist schließlich eines, das die Fantasie mit Wärme stimuliert, wie eine perfekt temperierte Rotlichtlampe.

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