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Calexico – El Mirador

Wer eine Calexico-Platte auflegt, kann sich auf eine mentale Reise ohne klares Ziel einlassen. Das war schon bei der ersten Platte “Hot Rail” aus dem Jahr 2000 so, das hat sich auch bis zum mittlerweile zehnten Album “El Mirador” nicht geändert. Mariachi trifft auf Americana trifft auf Folk trifft auf den ganz besonderen Calexico-Sound. Spannend oder zu viel?

Die Superkraft hinter der Band um Joey Burns und John Convertino war schon immer, trotz all dieser Genre-Versätze eine ungemeine Leichtigkeit mit ihrem Sound zu versprühen. So lässt man über die Spieldauer der 12 Songs schnell das kalte Europa hinter sich und wähnt sich unter der sengenden Mittagshitze von Tucson – der Heimat der Band.

Auf “El Mirador” entsteht diese Reise über verschiedene Intensitätslevel. “El Paso” etwa setzt auch sehr große Bläser-Fanfanren, “El Mirador” lässt mit weitflächigen Chören die Sonne aufgehen und mit “Turquoise” hat es gar ein dezentes Instrumental auf die Platte geschafft.

Gerade im Kontrast aus Americana und Mariachi gewinnt die Platte jedoch Spannung. “Harness The Wind” würde es auch in die Heavy Rotation einer Americana-Radiostation schaffen, die hohen Kopfstimmen-Chöre erinnern gar an die Byrds. “Cumbia Del Polvo” im Vergleich setzt auf treibende Rhythmen und Mariachi-Chöre. Gegensätze ziehen sich eben an.

Zum großen Triumph, “The El Burro Song”, kommen dann beide Seiten zusammen und treiben in sommerlicher Freude gen Vampire-Weekend-meets-Manu-Chao-Party. Großes Kino, das hier plötzlich sehr eingängig wird.

Calexico sprengen auch 2022 Hörgewohnheiten und begeistern dennoch Fankreise, die sonst dem Indie-Rock zugewandt sind. Die schiere Virtuosität der beteiligten Bandmitglieder sprüht aus den kleinsten Sound-Impulsen und Takten hervor. Und macht beim Hören trotz all der Finesse tatsächlich jede Menge Spaß.

Die Musiker*innen, die die Band für diese Platte erneut um sich scharte, bereichern den Sound zudem an allen Ecken und Enden, geben der Musik beinahe etwas Majestätisches. Und machen diese Reise definitiv reif fürs Fotoalbum.

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