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Girlpool – Forgiveness

RubrikAlben
Künstler*inAvery Tucker · Girlpool
LabelANTI

Der Punk ist raus bei Girlpool. Dafür ist das Duo aus Los Angeles bei einer kontemporären Pop-Version der Cocteau Twins angekommen. Ohne Zwillings-Bonus, ohne Robin Guthrie und Elisabeth Fraser, dafür mit Zeitgeist und Avery Tucker.

Zusammen mit Harmony Tividad schreibt Sängerin Avery sterbens-schöne Songs, die zwischen Bedroom-Folk und elektrifiziertem Dream-Pop in der Mitternachtssonne schmelzen.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr, sie hatte sich bereits mit dem Vorgänger „What Chaos Is Imaginary“ angedeutet, auf dem Drumcomputer Einzug erhielten und Synthesizer gleich mit dazu.

Noch konsequenter als zuvor, greifen auf dem vierten Album die beiden Opener „Nothing Gives Me Pleasure“ und „Lie Love Lullaby“ in diese Trickkiste und markieren einen elektronisch beschlagenen Dream-Pop, den man seit dem Ende von School Of Seven Bells vermissen konnte.

Das eigentlich Wunderbare an dieser Platte besteht jedoch darin, dass Girlpool nicht alles auf Gedeih und Verderb in dieses Raster pressen. Völlig zweckdienlich wird jedem Song die Freiheit gegeben, die er verlangt.

„Violet“ etwa bleibt beim Indie-Folk und erhöht sich bis zur gitarrenlastigen Rocknummer. „Junkie“ ist eine schillernd-liebliche Minimalismus-Ballade, die Japanese Breakfast nicht besser hinbekommen hätten.

An dieser Stelle der Platte hat man in ein und der selben Welt bereits vier völlig unterschiedliche Emotionsstufen durchwandert. Es kommen noch etliche weitere hinzu, weil Avery Tucker und Harmony Tividad ganz offensichtlich vier Händchen für ein gutes Songwriting haben, egal in welcher Sparte sie gerade denken.

Nach einer EP namens „Touch Me (It’s Like I’m Winning It“), mit Remixen von Dev Hynes, Lydia Ainsworth und Porches, schwelgt das Duo hier wunderbar aus der Mottenkiste heraus und hätte unweigerlich bei einem Sequel namens „Hold Me Closer, I’m Losing It (I Think)“ herauskommen müssen.

Stattdessen hört das vierte Album auf den vergleichsweise Langeweiler „Forgiveness“. Es bleibt der einzige Makel dieser fantastischen Platte.

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