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HVOB – TOO

Irgendwo in der Versenkung zwischen bedrückender Melancholie und unmissverständlichen Beats entwickelt sich der Sog für unvergessliche Partynächte. Die eigenen Sorgen in wummernden Bässen zu ertränken, ist ungefragt ein kathartisches Erlebnis. Und zudem ein Gefühl, das man in dem ganzen Corona-Wahnsinn vielleicht schon ein wenig vergessen hat.

Wie gut, dass HVOB das mit ihrem vierten Album “TOO” wieder in die Erinnerung rufen. Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass Anna Müller und Paul Wallner, die zuvor in der Pop-Band Herbstrock spielten, sich zum Produzenten-Duo HVOB zusammentaten.

Mit Oliver Koletzki als Fan und Slots auf Liebhaber-Festivals wie dem SXSW oder dem Melt! konnten sich die beiden schon mit ihren ersten drei Alben einen gewissen Ruf erspielen. Dieser fußt vor allem auf der unverkennbaren Dynamik des Sounds, den auch der Viertling “TOO” nochmal vortanzt.

Da wäre auf der einen Seite Müllers Stimmfarbe, die diese besondere Niedergeschlagenheit in sich trägt, wie es auch Romy von The xx oder etwa Phoebe Bridgers können. Umgarnt wird diese mal von unnachgiebigen Techno-Beats, mal von faserndem Ambient, mal von breitflächigen Instrumentals. Der Name für diesen Mix? Post-Elektro.

Während der Vorgänger “ROCCO” dies noch mit ausschweifenden Songs um die acht Minuten-Marke zelebrierte, reduziert “TOO” die Spiellänge zugunsten von Eingängigkeit. Die acht Stücke enden alle bei circa vier bis fünf Minuten und transportieren dennoch eine wahre Vielzahl an Klängen und Emotionen.

“Kid Anthem” ist dabei der unmittelbare Club-Ausflug, bringt die Beats von Sekunde null zum Beben, schwappt immer und immer wieder gegen die Lautsprecher. Erst nach knapp zwei Minuten steigt Müller ein, die Sirenen kreisen hinter ihr im Äther.

Im Kontrast dazu beginnt “Eyes Alive” im sphärischen Ambient-Kosmos vor einem zerfasernden Klavier. Erst spät schimmern die Bässe im Soundbild. Während sich die Atmosphäre in “Gluttony” verdunkelt, erlaubt sich “Bruise” besonders sphärische Flächen.

Irgendwo zwischen Moderat und CamelPhat lässt uns “TOO” in all diesen Momenten vergessen, was da vor den Türen des Clubs gerade passiert. Und das fühlt sich immer noch gut an.

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