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Spiritualized – Everything Was Beautiful

Eigentlich wollte Jason Pierce nur noch losgelöst von der Marke Spiritualized Musik machen. Das war 2018, als nach der schwierigen Finanzierung von „And Nothing Hurt“ der Vorhang für ein Bandformat fallen sollte, welches spätestens seit „Ladies And Gentlemen We‘re Floating In Space“ galaktische Signale von einem exklusiven Sound-Satelliten sendete.

J Spaceman, der mit nicht wenig Schubkraft dieses Flugobjekt aus konsumierten Additiven generierte, verabschiedete bald die Startcrew, um seine Visionen von einem Genre-Clash möglichst ungestört auszuleben. Dass nun eine neunte Spiritualized-Auflage folgt, ist eine der wenigen positiven Folgen, die der Coronazeit gutgeschrieben werden kann.

Wie so viele Veröffentlichungen der letzten beiden Jahre ist „Everything Was Beautiful“ von der Pandemie inspiriert, wohnen dem Album die Ideen aus der Lockdown-Stille inne, die der Protagonist von langen Streifzügen durch das heruntergefahrene London mit nach Hause brachte.

16 Instrumente wurden für die neue Produktion eingespielt, deren sieben Teile wesentlich auf den bereits beim Vorgänger zum Einsatz gekommenen Demos der Jahre 2013-14 basieren. Mehr als 30 weitere Kolleg*innen waren involviert, trotzdem findet sich in einer durchgängig gesättigten Klangkulisse immer noch ein Platz für weitere Orchesterelemente oder Chorsätze.

Vom dream-poppigen Opener „Always Together With You“, in der Vergangenheit als weniger bombastisch aufgeblasenes „Always Forgetting With You (The Bridge Song)“ unterwegs, über die psychedelische Weltraum-Hippieorgie „Best Thing You Never Had“ bis hin zum melancholischen Country-Exkurs von „Crazy“ gelingt ein repräsentativer Querschnitt durch den Spiritualized-Backkatalog.

Die emotional aufgeladene Soulballade „Let It Bleed“ explodiert im Refrain mit einer opulenten Breitseite, entwickelt der unablässige Druck von „Mainline“ eine Sogwirkung wie bei Arcade Fire unter Volllast, zelebriert „The A Song (Laid In Your Arms)“ bis zu seinem furiosen Finale eine euphorische Brit-Pop-Variante.

Über allem mäandert Jason Pierce mit vom Leben gezeichneter Stimme von Liebe, Verlust und Hoffnung, singt begleitet vom Background-Gospel am Ende „I’m Coming Home Again“ so spirituell durchtränkt, wie Dave Gahan dies regelmäßig mit den Soulsavers praktiziert.

Schön, dass er an seiner Heimkehr teilhaben lässt.

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