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Franz Ferdinand – Live im Täubchenthal, Leipzig

Kaum fällt die Pandemie als Kulturbremse aus, gibt es ein Luxusproblem. Am gestrigen Maifeiertag gaben sich nämlich nicht nur Franz Ferdinand im Täubchenthal die Ehre, sondern hatten sich zeitgleich im wenige hundert Meter entfernt gelegenen Felsenkeller Calexico angesagt.

Möglicherweise ein Grund dafür, weshalb der Gig der Schotten, von denen es in dieser Runde nur vier in Deutschland geben wird, vom bedeutend größeren Haus Auensee in die Venue im Leipziger Westen verlegt wurde und trotzdem noch Tickets an der Abendkasse erhältlich waren.

Wer sich für die Glasgower entschieden hatte, wusste im Vorfeld, was ihn erwartet. „Hits To The Head“ heißt die Tour zum gleichnamigen Best-of-Album und die haben Franz Ferdinand reichlich im Köcher, bestand allein ihr Debütalbum praktisch lückenlos aus Gassenhauern.

Selbst, wenn diese auf ihren gold- und platin-überhäuften Folgewerken nicht mehr ganz so engmaschig vertreten waren und sich auf den letzten Ausgaben eine stilistische Hinwendung weg von der Hitmaschine, hin zu komplexeren Arrangements ankündigte, blieben die mit markanten Gitarren gepaarten dynamischen Beats Corporate Design.

Bevor die Protagonisten des Abends an den Start gingen, gab es Ryder The Eagle zu bestaunen. Der lieferte, halb Dagobert, halb Adam Green, eine grandiose halbe Stunde voller tief emotionaler Stücke – inklusive eingepreister Therapiesitzung für alle Getrennten vor „The American Dream“ – um den Gig, seiner Zirkusdirektorenjacke und den beiden übereinander getragenen Hemden entledigt, in Antony-Kidies-Pose als sensibler „Wounded Bird“ zu beenden.

Als um Punkt 21:00 Uhr der überaus adrette Alex Kapranos mit seiner Mannschaft auf der Bühne erscheint, ist der Saal auf Betriebstemperatur. Ein paar Akkorde „No You Girls“ reicht der Band zur Feinjustierung, der Rest des Songs dient der Synchronisierung mit dem Auditorium.

Mit „The Dark Of The Matinée“ im Anschluss ist die formschlüssige Verbindung mit den Fans bereits hergestellt, dem Charisma des Frontmanns folgt man den Rest des Abends gern. Der agile Fünfziger macht es den Anwesenden leicht, sind seine launigen Ansagen in Kombination mit den leichtgängigen Melodien wie der Regen auf ein ausgedorrtes Konzertpublikum, das mit jedem Song lebendiger wird.

Der Sound ist satt, Franz Ferdinand liefern wie bestellt und wie angekündigt, spielen die 20 Songs ihrer Compilation komplett durch. Nachdem mit „Take Me Out“ der erste Siedepunkt erreicht ist, blickt „Ulysses“, später auch der Titeltrack vom letzten Album, auf eine elektronischer ausgerichtete Zukunft des Ensembles.

In dieser nostalgischen Revue sind die Poser-Duelle, die sich der Frontmann und Gitarrist Dino Bardot liefern, unbedingter Teil der Show, in der selbst der Ausflug von „The Fallen“ in die Stadionrock-Hölle verzeihlich bleibt, liefern auch die übrigen Musiker vom „Evil-Eye“-Weltraum-Keyboard bis zur präzisen Taktgebung der letzten Franz-Ferdinand-Neubesetzung, Audrey Tait, einen fulminanten Auftritt.

Mit „Darts Of Pleasure“ und „This Fire“ in die Nacht entlassen, werden die Hooks der vergangenen 90 Minuten noch lange nachhallen.

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