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Harry Styles – Harry’s House

Während es um Harry Styles ganz und gar nicht ruhig geworden ist – Hauptrolle in “Don’t Worry Darling” und verschobene Welttournee sei Dank – scheint es um seine Musik anders bestellt zu sein. “Harry’s House” ist nämlich nicht nur Styles’ persönlichstes Album bisher, sondern auch sein ruhigstes und reduziertestes.

Nach “Harry Styles”, auf dem besonders Anleihen klassischer Rockmusik und das große rebranding eines Boyband-Mitglieds anstanden, und “Fine Line”, auf dem Styles endlich und vom Wohlwollen sowohl der Kritiker als auch der Urfans begrüßt wieder poppig werden durfte – nur halt in cool – steht mit “Harry’s House” jetzt das schwierige Drittwerk an. In welche Richtung geht’s?

Unbeeindruckt von sämtlichen Erwartungen und mit sanguinischem Temperament poltert Styles auf “Music For A Sushi Restaurant” direkt mit dem vielleicht poppigsten Entwurf seines Sounds durch die Tür des frisch errichteten Hauses, den er auf “Late Night Talking” noch einmal bestätigt.

Im Gegensatz dazu scheint auch der sanfte und authentische Sound von “Sweet Creature” aus dem ersten Album häufig durch, beispielsweise auf “Matilda”, das in der Mitte des Albums entschleunigend wirkt.

“Daydreaming” und “Daylight” hingegen könnten, wenn man die Tracks nach den ersten fünf Sekunden abbrechen würde, auch zu ganz unangenehmem EDM-Strandparty-Schlager mutieren, tranformieren sich aber stattdessen zu minimalistischen DIY-Popsongs, die Styles tatsächlich im eigenen Wohnzimmer aufgenommen haben könnte.

Der Sound passt zum Cover. Stylisch eingerichtet, irgendwie gemütlich und lichtdurchflutet, irgendwie kontemplativ, genau wie Harry Styles in seinem kleinen, quadratischen Zimmer den nachdenklichen Blick nicht vom Boden, also der Decke, lösen kann.

Er hat ausgemistet, die Rockband durch synthetische Drumsets, ein bisschen akustische Gitarre und zeitweise euphorische Synth-Ausbrüche ersetzt und ist immer noch auf einer der spannendsten Reisen, die ein Casting-Show-Teilnehmer in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat – na gut, Alexander Klaws “Passion” vielleicht mal ausgenommen.

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