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Kevin Morby – This Is A Photograph

Fotos können wahre Wunder wirken. Quer durchs Raum-Zeit-Kontinuum katapultieren sie beim Betrachten in andere Zeiten, erinnern an Freud, Leid, Dinge und Personen, die längst nicht mehr da sind. Von diesem Umstand machte auch Kevin Morby Gebrauch, als die Gegenwart zu hart zu ertragen wurde:

Sein Vater war am Tisch vor den Augen des Musikers zusammengebrochen und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Wenige Stunden danach entdeckte Morby ein altes Foto seines Vaters, jung, agil, zuversichtlich. Die Reise beginnt.

Man könnte die durch diesen Startschuss initiierte siebte Platte durchaus unter den Begriff „Konzeptalbum“ heften, wenn man die Katalogisierung nicht zu ernst nimmt. Denn tatsächlich dreht sich auf „This Is A Photograph“ nahezu alles um die Vergangenheit:

Darum, damit umzugehen, wenn man selbst zu einer wird. Darum, wie tröstlich sie im Angesicht der Gegenwart sein kann. Darum, wie sie als Schauplatz für das Treffen mit den eigenen Held*innen werden kann.

Musikalisch betrachtet bietet dieser Rahmen jede Menge Potential. Etwas, was Morby mit offensichtlicher Spielfreude ausloten möchte. Ganz anders als der recht introspektive Vorgänger „Sundowner“ macht diese neue Platte die vielen Gedankengänge nicht mit sich selbst aus. Statt schlichtem Innenleben ist imposante Größe die Ausdrucksform der Wahl.

Natürlich gibt es auch die zarten Momente, die Morbys Songwriting schon immer so inhärent waren. Etwa im sanften Mundharmonika-Einsatz von „Disappearing“ oder dem lieblichen Duett mit Erin Rae in „Bittersweet, TN“. Aber Morby wagt auch mal das Reißen am Vorhang.

Der Opener und Titeltrack lässt die Sonne rein, scheint mit breitem Americana-Grinsen und zählt mit einem Blick durchs Fotoalbum verschiedenste Momentaufnahmen auf dem Leben auf – und resümiert „This is what I’m gonna miss when I die“. Das geht genau so ans Herz wie der große Rock-Moment der Platte im zügellosen“Rock Bottom“, der Streicher-Klimax von “ A Random Act Of Kindness“ oder das Jazz-Klavier von „A Coat Of Butterflies“.

Am Ende schließt „Goodbye To Go“ mit Lou-Reed-Vibes eine Platte, ab, die irgendwo zwischen Americana, Folk und Singer-Songwriter ohnehin wie ein Instant-Classic klingt. Hier wird’s am Ende zwar doch niedergeschlagener als zuvor – aber eine gute Nachricht gibt es ja doch: Morbys Papa geht’s wieder gut. Und die Platte ist eine strahlende Zelebrierung des Lebens.

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