Mitski bleibt ihren Themenschwerpunkten von Einsamkeit und Isolation treu, besticht mit ihrem achten Album „Nothing’s About To Happen To Me“ aber erneut mit allerhand musikalischen Überraschungen.
Man hatte sich 2022 gerade an den reizenden Indie-Synth-Pop von „Laurel Hell“ gewöhnt, da zog Mistksi mit dem ein Jahr später erschienenen Nachfolger „The Land Is Inhospitable And So Are We“ schon wieder in eine ganz andere Richtung, hin zu orchestralem Kammerpop, der aus Singer/Songwriter-Stücken große Hymnen auftürmte.
In dieser Tradition setzt sich nun auch „Nothing’s About To Happen To Me“ fort. Puristisch startende Gitarrenstücke, die sich mit Streichern und Percussions zu voluminösen Suiten aufschaukeln und in jedem Moment ihre einzigartige Stimme rahmen wie ein schmuckvolles Passepartout.
Das ist viel weniger vorhersehbar, als es den Anscheint hat. Im Auftakt „In A Lake“ leiten Fieldrecordings von Straßenlärm und hupenden Autos den aufbrausenden Schlussakord des Orchesters ein.
Das darauffolgende „Where’s My Phone“ nimmt die Steilvorlage auf und schert als rockendes Bigband-Stück direkt wieder aus dem Muster aus.
Die in Japan geborene Künstlerin studierte am Suny Purchase Conservatory of Music in New York Komposition. Längst gehen ihr seither die Stile spielend von der Hand.
Mit „Cats“ taucht sie nicht nur in eine Ballade für die Landjugend ein, sie erzählt auch auf eindrückliche Weise die Geschichte einer Frau, die sich in einem verwahrlosten Haus zurückzieht, wo sie frei sein kann, während sie außerhalb als Außenseiterin zählt.
Kommt hier zunächst das Bild der zerzausten Katzenlady aus The Simpsons in den Sinn, sind Mitskis Songs doch das komplette Gegenteil von ungepflegt, und höchstens unaufgeräumt, wenn es die Story verlangt – wie etwa im grunge-fußenden „If I Leave“.
Die Stile vermengen sich auf „Nothing’s About To Happen To Me“ zu einer emotional dichten Dramaturgie, die auch nach zahllosen Durchläufen noch immer Neues bereit hält und doch jederzeit unverkennbar nach Mitski klingt.
Mitski bleibt somit eine der wandelbarsten und spannendsten Künstlerinnen der Indie-Welt. Eine, die den Spagat zwischen Hochkultur und Popmusik so elegant beherrscht wie kaum eine andere.
