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Mitski – The Land Is Inhospitable And So Are We

Wer seinem Album einen solch achtungsvollen Titel verleiht, stapelt entweder sehr hoch oder hat ein echtes Meisterwerk arrangiert. Bei Mitskis siebtem Studioalbum “The Land Is Inhospitable And So Are We” sollte es keine Überraschung darstellen, dass hier zweiteres der Fall ist.

Überraschend ist sie dann aber doch, diese Intensität, dieser Bombast, diese Breitflächigkeit dieses Albums. So groß klang selbst die Meisterin der großen Sounds noch nie.

Ein ganzes Orchester unter der Leitung von Drew Erickson, aber auch ein 17-köpfiger Chor, den Mitski selbst arrangierte, sind auf diesem Album zu hören. Und das nicht nur in wenigen herausragenden Momenten, sondern über die gesamte Spieldauer verteilt.

Dennoch – “The Land Is Inhospitable And So Are We” ist nicht etwa ein vor US-amerikanischem Kitsch triefendes Werk, sondern bei all der Opulenz doch immer warm und nahbar.

Natürlich ist dafür Mitski selbst verantwortlich, wie sie mal die kühle Antithese zum großen Bombast darstellt (“Heaven”) – mal aber selbst in völliger Gefühlsübermacht aufgeht (“I Don’t Like My Mind”). Aber auch im Songwriting ist genügend Spachtelmasse vorhanden, um dem beachtlichen klanglichen Inhalt dieser Platte einen würdevollen Rahmen zu zimmern.

Da ist der unfassbar schöne Opener “Bug Like An Angel“, der den bemerkenswerten Satz “Sometimes A Drink Feels Like A Family” von gigantischen Chören umschließen lässt.

Oder das bedrückende “The Deal”, das in sperrigem Noise aufbricht. Oder das Gipfeltreffen von Klavier, Chören und Bläser-Fronten in “When Memories Snow”, das die Frage aufdrängt, wie lange es bis zu Mitskis erstem Bond-Song dauern wird.

Musikalisch zitiert diese Platte sowohl Ennio Morricone als auch Carter Burwells “Fargo”-Soundtrack, aber auch Lana Del Rey oder Faron Young. Doch trotz all dieser Imposanz ist die Platte vor allem bewegend, dem universellen Thema sei Dank.

So richtet sich diese Platte an alle, die in den USA, in sich selbst oder auf dem ganzen Planeten in den aktuellen Krisenlagen kein Zuhause mehr finden. Der radikale Gegenentwurf aus dem Hause Mitski heißt: Liebe. Und zwar eine so vehemente, dass sie selbst wie in “My Love Mine All Mine” aus dem Weltall auf die Erdkugel strahlen wird.

Diese Platte ist die Musik gewordene Entsprechung dieser Liebe, in all ihrer Schönheit, Komplexität und Vielschichtigkeit. Und Mitski endgültig eine der wichtigsten Songwriter*innen der aktuellen Indie-Generation.

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