Das Konzept „Zuhause“ ist komplex. Das gilt auch für das Aufwachsen im Mittleren Westen der USA, wie Kevin Morby mit seinem achten Album „Little Wide Open“ aus den unterschiedlichsten Perspektiven heraus beleuchtet. Aaron Dessner sei Dank klingt das – bei all der Morby-typischen Sanftmut – sehr vielfältig.

Die beiden Indie-Veteranen trafen 2024 aufeinander, als Dessner Morby bat, als Support beim The-National-Konzert im Londoner Crystal Palace Park vorbeizuschauen. Dann ging es ungewohnt andersherum weiter:

Dessner hatte Lust, mit Morby für dessen nächstes Album als Produzent zu arbeiten. 2025 ging es im mittlerweile legendären Long Pond Studio von Dessner los. Dessner selbst sitzt an den Instrumenten, dazu kommen Gäste wie Amelia Meath, Andrew Barr, Justin Vernon (ja, der von Bon Iver), Katie Gavin, Lucinda Williams und Meg Duffy.

Mit dieser beeindruckenden Geschichte im Rücken hört sich das Album gleich noch imposanter an, Fans können „Little Wide Open“ aber auch schlicht als das große Finale der Mid-Western-Trilogie von Morby verzeichnen. Die startete 2020 mit „Sundowner“ und ging mit „This Is A Photograph“ 2022 weiter.

Ungewohnt für Morby gibt es in „Little Wide Open“ viele unbeschwerte, nahezu zuversichtliche Momente im Angesicht der eigenen Heimat.

„Badlands“ eröffnet das Album erstmal sehr atmosphärisch und entführt direkt in den Mittleren Westen, mit Szene-Beschreibungen und einem Folk-typischen Storytelling.

Aber dann bietet das Album auch viele positive Momente: „Die Young“ ist mit seinen lieben Background-Vocals und zarten Streichern fast romantisch, „All Sinners“ geht mit ruhigem Klavier und Streichern in eine prunkvolle Suche nach dem „Private Oklahoma“.

Neben dem ungewohnt entrückten „Junebug“, das sanfte, gezupfte Sainteninstrumente als Decke auslegt, damit Morby mit sich selbst ins Gespräch gehen kann, sticht aber vor allem „100,000“ aus dem rundum Wohlfühl-Sound heraus. In der Gesellschaftsstudie über das Leben in dieser Welt, insbesondere in Bezug auf toxische Männlichkeit geht es inhaltlich in die Tiefe – das Finale dieses Songs setzt aber vor allem im Sound das Ausrufezeichen, auf das Morby sonst oft verzichtet. Ein großer Moment!

Dass sich Morby mit so viel Szene-Support größer denn je in die Höhe spielt, macht dem Finale alle Ehre. Vielleicht auch aus Gründen: Morby lebt mittlerweile hauptsächlich in L.A.

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