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Sam Vance-Law – Goodbye

Wenn die durchschnittliche Person unter Liebeskummer leiden muss, kommt dabei außer einem guten Training für die Tränensäcke nicht viel herum. Musiker*innen hingegen kredenzen der Gesellschaft in ihren dunkelsten Stunden meist die schönsten Stücke. Sam Vance-Law schreibt diese Geschichte mit seinem zweiten Album “Goodbye” neu.

Dabei stimmt der Opener “2” mit einem sehnsüchtigen Klavier-Arrangement noch auf schwermütige Minuten ein. Doch schon “Kiss Me” macht eine überraschende Kehrtwende, die durch den unwiderstehlichen Charme des Wahl-Berliners noch mehr ans Herz geht. Aus den ruhigen Strophen bricht das Stück mit dichten Gitarren und Chören aus, feiert lieber in einer kleinen Eskapismus-Bubble das Wunschdenken, die Liebe wäre noch lebendig.

Überhaupt ist diese Haltung das Kernstück der gesamten Platte. Zusätzlich zu erwartbarem Schmelz und Herzschmerz in tiefblauen Tönen tropft Sam Vance-Law noch ein paar zusätzliche Farbkleckse auf die Mischpalette.

Natürlich macht “Goodbye” keinen Halt vor bodenlosem Herzschmerz. Besonders bedrückend wird es etwa im flirrenden, dunklen “No Love” oder dem jazzigen Rückblick auf die schönen Zeiten in “Blissful Times”. Das tut genau so weh, wie es sich gehört.

Doch erst bei einem Tauchgang unter diese bekannte Spitze des Eisbergs entfaltet die Platte seine wahre Wucht. “Someone Else” schenkt seine Refrains deswegen den schönsten Chören, während Vance-Law vor dichten Bläser-Tiraden negiert, jemals eine andere Person lieben zu wollen. Das hat eine erhabene und dennoch antreibende Kraft, die mit der Niedergeschmettertheit des gängigen Liebeskummers wenig gemein hat.

Noch weiter führen diese Färbung “Get Out”, das mit seinen knackigen Synthesizern und Indie-Riffs gar an die Bleachers erinnert und das frohlockende “Here You Go Again”, das einen von der Bar direkt auf die Tanzfläche zerrt. Ersteres will das Gegenüber loswerden, letzteres fleht um die Rückkehr – beide äußern dies aber selbstbewusst und nicht selbst bemitleidend. Stark und mitreißend!

Dass Vance-Law im Handwerk der Arrangements anderen Indie-Acts um einige Ligen überlegen ist, beweisen hingegen die Hollywood-Momente der Platte. Zum einen wären das die sehnsüchtigen Bläser von “Icarus”, die selbst für die größten Kinoleinwände gemacht sind. Zum anderen das überdramatische Finale von “Cause I Know”, in dem die Streicher nur so flirren und beweisen:

Liebeskummer ist ein gigantisches Gefühl. Und “Goodbye” sein überwältigender Soundtrack.

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