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Bilbao – Shake Well

Weder der Name, noch das Albumcover, noch der Sound hätten sie verraten, aber tatsächlich – Bilbao ist eine deutsche Indie-Band. Wer ihr Debütalbum “Shake Well” auflegt, sollte aber besser die Sonnencreme auspacken. Hier erwartet Hörer*innen nämlich eine kleine Reise zu einer stilvollen Strand-Party.

Und auch die Sache mit dem Debütalbum mag man dem Quartett irgendwie nicht so ganz abnehmen. Viel zu lässig treffen hier Beats, Samples und Songstrukturen aufeinander, die zwar eine luftige Leichtigkeit versprühen, aber auch deutlich komplexer sind als die meisten Ideen der gängigen Festival-Bands.

Überhaupt schaffen es Bilbao tatsächlich nur mit einem Song, etwas ins Generische abzurutschen, wenn “Wild At Heart” sich belanglosem Indie-Rock zuwendet. Die anderen neun Lieder aber bieten jede Menge zu entdecken, wenn man dafür neben dem ausgelassenen Tanzen überhaupt noch Zeit findet.

Da wäre zum Beispiel das klar produzierte “Pumpkin”, das zwar reduzierte Instrumentals einsetzt, aber trotzdem absolute Sommer-Stimmung verbreitet. Mit “Mojito” gibt es herrliche Stimmebenen, die ineinander fließen und mit ihrer modernen Mixtur aus Funk und Disco gar an Harry Styles erinnern.

Mit “Ok Bye” wird hingegen mit sommerlicher Polyrhythmik der Referenzbogen zu Vampire Weekend und Of Montreal aufgespannt. Das Spiel mit den Rhythmen ist neben der vielen anderen Vorzüge ein echtes Highlight dieser Platte! Man zeige mir den Fuß, der bei den Klängen von “Right Above Your Open Eyes” nicht ins Zucken gerät.

Und dann gibt es da noch das schöne “Slow It Down” mit einem Feature der Indie-Newcomerin Thala, das mit einem pointierten Einsatz von schicken Samples und Synthies weite Flächen eröffnet. Nicht nur hier klingen Bilbao nach einer echten Indie-Größe, damit können die Teilnehmer des Hamburger Krach+Getöse Newcomer Wettbewerbs locker mit den Kniffen echter Major-Produktionen mithalten.

Mit “Shake Well” verbreiten Bilbao damit vor allem jede Menge lockere Lebensfreude, die nach Freibädern und Cocktails riecht. Und wenn diese Mischung nicht ein Ticket auf die Festival-Bühnen der Nation und auch darüber hinaus ist, dann läuft einiges schief in der Musikindustrie.

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