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Health – DISCO4::PART II

In einem Paralleluniversum erschaffen die Mitglieder von Health gerade als Kulissenbauer stimmungsvolle Backdrops für düstere Theaterstücke. In unserer Welt lösen sie diese Aufgabe hingegen mit ihrer Musik, genauer: mit riesigen Industrial-Flächen. Dieses Spektakel geht schon seit 2005 von Kapitel zu Kapitel, bleibt im Kern aber vor allem schaurig schön.

Die “DISCO”-Platten der Karriere waren ursprünglich als Remix-Zwischenspielen zwischen den Studioalben angedacht, haben nun aber eine neue Aufgabe angenommen: Sie laden zur Dinnerparty und auch für die zweite Ausgabe des Feature-Feuerwerks kann sich die Gästeliste sehen lassen.

Zwei Jahre nach der ersten Platte mit der illustren Runde von Acts wie Soccer Mommy und 100 gecs bis zu JPEGMAFIA und Xiu Xiu geht dieses Projekt in die nächste Runde. “DISCO4: PART II” kleistert schon mit dem Opener “DEAD FLOWERS” in Kombination mit Noise-Pop-Bösewichtin Poppy die dunkelsten Farben an die Wände. Und die Stimmung darf dann auch im Keller bleiben.

Die Band um Benjamin Jared Miller, Jake Duzsik und John Famiglietti stellt dabei die dystopische Architektur, die detaillierten Färbungen übernehmen die Gäste. Beim eben erwähnten Opener löst das Poppy mit sphärischem Säuseln, das erst zum Ende in hilfloses Kreischen übergeht.

Das klangliche Leitmotiv ist so alt wie der Industrial selbst: Die kühle Kulisse der verzerrten Synthesizer erzeugt schon beängstigende Gänsehaut, getoppt wird dies noch von den mal unheilvoll ruhigen Tönen, mal verzweifelt lauten Schreien der Sänger*innen. Diese dringen im Health-Universum kaum durch die Synth-Wände durch, was das Ganze noch hoffnungsloser klingen lässt.

Disco ist hier also eher nicht. Dafür aber kühle Melancholie mit den Nine Inch Nails in “Isn’t Everyone”, dröhnende Riffs von Lamb Of God (“Cold Blood”) oder wehmütige Depression mit The Neighbourhood in “No Escape”. Beeindruckende Namen, die jedoch an dieser Stelle etwas vorhersehbarer klingen als die anderen Tracks.

Die echten Highlights kommen nämlich im weitläufigen Synth-Track “Excess” mit Perturbator, dem dichten Hip-Hop-Frankenstein “Gnostic Flesh-Mortal Hell” mit Backxwash und HO99O9 oder dem sanften The-Cure-Moment von “The Joy Of Sect”, den die Street Sects mit unheilvollem Geschrei durchbrechen.

Am Ende bleibt von “DISCO4: Part II” also vor allem das hängen, was den Industrial moderner, aufregender und genre-zersetzender macht. Und dafür spendieren Health die beste Kulisse.

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