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RAZZ – Everything You Will Ever Need

„Everything You Will Ever Need“, haben Razz ihr drittes Album getauft. Doch selbst, wenn man sich mit dieser Aussage im Leben nur auf den Bereich der Musik beschränkt, braucht man doch ein bisschen mehr als diese Platte.

Gerade in der Popmusik hat man das Narrativ tausendfach gehört: Die grenzenlose Unbeschwertheit, die Bands als unbeschriebene Blätter in ihren Jugendtagen hatten, geht nach den ersten Platten verloren und etwas Neues muss her. So ähnlich dürfte es auch Razz gegangen sein, die sich mit 15 Jahren gegründet, mit 18 das erste Album veröffentlicht und seitdem über 400 Shows gespielt haben.

Was kommt also als Nächstes? Diese Frage beantwortet das Quartett aus dem Emsland ähnlich wie damals Coldplay. Denn die Ecken und Kanten auf „Everything You Will Ever Need“ sind weitestgehend rundgeschliffen und wo vorher noch „Rock“ oder „Indie-Post-Punk“ stand, tut es heute ein simples „Pop“.

„Like You“ und „1969 – Conrad“ kennt man schon von der EP „Might Delete Later“ und während die damals schon verhältnismäßig zurückhaltend und popaffin daherkamen, wirken sie im Vergleich zu den anderen Songs auf „Everything You Will Ever Need“ wie Überbleibsel der rockigeren Vergangenheit.

„Talking For Hours“ reiht sich da mit täuschend introvertiertem Intro, das anschließend von wuchtigen Gitarren abgelöst wird, noch am ehesten mit ein. Doch auch hier wartet man auf den ganz großen Aufbruch vergebens.

Und so geht es einem Großteil der Songs auf „Everything You Will Ever Need“. Sie plätschern als unbedarfte Pop-Nummern vor sich hin und stören nicht, nehmen aber auch nicht mit. Songs wie „Since“, „Nightfall“ oder „Lately“ funktionieren alle nach dem gleichen Prinzip: Ein zerbrechlicher Akustik-Teil, der früher oder später mit einer Portion Pathos und der entsprechenden Instrumentierung aufgebauscht wird, um anschließend zu versiegen.

Dann kommt gegen Ende plötzlich noch „All About The End“ um die Ecke, damit auch die Box für den potenziellen Dancefloor-Füller abgehakt werden kann, bevor mit dem mystischen „Lost In The Woods“ doch noch ein episches Finale wartet. Gesangslinien, die nicht auf ganzer Spur geradlinig sind, sondern auf einem Synthie-Teppich auch mal überraschende Wendungen nehmen, bevor das Schlagzeug in spannende Trip-Hop-Gefilde ausbricht.

Für die Zukunft bitte mehr davon.

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