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Cass McCombs – Heartmind

Die Musik von Cass McCombs ließ sich bisher in den 20 Jahren seines Schaffens in keine Schublade stecken und sein neues Album “Heartmind” bildet keine Ausnahme. Der Titel seines zehnten Longplayers erscheint dabei im wörtlichen Sinne etwas widersprüchlich und vereint diese Gegensätzlichkeit in gleichermaßen emotionsgeladenen wie kopflastigen Texten.

Im Gespräch mit der US-amerikanischen Musikzeitschrift SPIN gesteht er, dass zunächst geplant war, Geschichten und Sounds aus seinem letzten Album “Tip Of The Sphere“, welches er dreieinhalb Jahre zuvor veröffentlichte, aufgreifen und fortschreiben zu wollen. Songs über Mythologie und Nordkalifornien hatte der Singer/Songwriter im Sinn und ein Werk voller Bewältigungsstrategien ist es letzten Endes geworden.

McCombs habe “Heartmind” gemacht, um den Verlust enger Freunde zu verarbeiten, etwa Chet JR White, Sam Jayne und Neal Casal. Unmissverständlich zeigt sich dieses Leitmotiv der Trauer im Track “Belong To Heaven”. Aufrichtigen Zeilen wie “You surrendered undefeated / Now you belong to heaven” stellt er mit gewohnt spitzer Zunge gegenüber: “Call me anytime for bail from the jail in heaven” Ungeschlagen sind damit nicht nur jene, denen er gedenkt.

Bittersüßer Galgenhumor und entlarvender Zynismus funkeln das ganze Album über hindurch wie das Wasser auf dem Cover-Artwork. Im heiteren “Karaoke” hinterfragt der Kalifornier generell jegliche Emotion und zitiert im ironischen Text vor Herzensangelegenheiten strotzende Songtitel – von “Unchained Melody” über “Vision Of Love” bis zu “Stand By Your Man”.

Den Höhepunkt an charmanter Absurdität erreicht Cass McCombs mit den trampelnden Dinosauriern am Morgen nach der Apokalypse in “New Earth”. Vogelgezwitscher und unbeschwerte Indie-Folk-Klänge läuten ein Zeitalter wiederhergestellter Idylle ein. Das Ende der Welt war nie paradiesischer.

Die gemächliche Country-Nummer “Unproud Warrior” hingegen steht vollkommen im Zeichen von Reue und Wehmut. Mieselsüchtige Streicher begleiten die schleichende Resignation, während man an den Lippen dieses unaufdringlichen Geschichtenerzählers hängt. Damit straft er sich selbst Lügen, wenn er im kratzbürstigen “Music Is Blue” singt: “There’s not much more to say”

Musikalisch zeigt sich McCombs weiterhin genreübergreifend und vielseitig, aber deutlich weniger psychedelisch als auf seinem Vorgängeralbum. Lediglich der jamartige Titeltrack “Heartmind” am Ende der Platte taucht in den achteinhalb Minuten Spielzeit in entrückte und meditative Sphären ein.

Cass McCombs schenkt uns damit ein fragiles wie unerschütterliches Album voller eingängiger Melodien und harmonierender Gegensätze. Zwischen den manchmal sperrigen, aber immerzu brillanten Zeilen erinnert “Heartmind” daran, sich nicht inmitten des Verlusts selbst zu verlieren.

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