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Tindersticks – Stars At Noon

Drei Dinge im Leben sind garantiert sicher: Tod, Steuern und die kreative Beziehung der Tindersticks mit der französischen Filmemacherin Claire Denis.

Die Regisseurin und Drehbuchautorin gilt als äußerst kooperative Künstlerin, was der perfekte Nährboden für ihre langjährige Zusammenarbeit mit der Band um Frontmann Stuart A. Staples ist: Fast ein Dutzend ihrer Spielfilme ist mit einem Soundtrack untermalt, der in irgendeiner Weise mit den Briten zusammenhängt.

Ob die komplette Band, nur Staples oder der ehemalige Gitarrist Dickon Hinchliffe: Die Tindersticks sind in den vergangenen 25 Jahren ein Teil der DNA geworden, die die Arthaus-Kinematografie von Denis ausmacht.

Der neueste Streich in der Kreativ-Symbiose ist der Film “Stars At Noon”, dem wieder die gesamte Gruppe neue Musik auf den Leib geschneidert hat. Der Romantik-Thriller ist die Adaption des gleichnamigen Romans vom US-amerikanischen Schriftsteller Denis Johnson. Schauplatz ist Nicaragua, was für sich schon ein guter Grund ist, die komplexe Trip-Hop-Welt des aktuellen Studioalbums “Distractions” von 2021 zu verlassen und neue Wege zu gehen.

Diese Wege sehen einen organischeren Sound vor, der Klaviere und Orgeln in den Vordergrund hieven und oft einfache Akkorde und Melodien im Raum stehen lassen kann. Subtil umspielen Schlagzeug und Bass mit Latin-Rhythmen, die sich ganz natürlich in das Filmsetting einbetten.

Es sind minimalistische Mittel, mit denen die Band aus Nottingham den südamerikanischen Schauplatz darstellt. Das jazzige Timbre der Stücke mit gelegentliche Bläser-Einsätze halten trotz des entschleunigten Tempos stets auf Trab und sorgen für eine düstere, verruchte Stimmung.

Besonders spannend sind die Momente, in denen weitestgehend alles bis aufs Schlagzeug schweigt, das sich erbarmungslos sanft und komplex nach vorne groovt. Viel braucht es im Tindersticks-Land nicht für dicke, handfeste Atmosphäre.

Auch ohne das Visuelle ist klar, was für ein Film “Stars At Noon” ist: Eine sachte erzählte Geschichte ohne viel offenen Antagonismus oder fulminante Action, dafür mit vielschichtiger Spannung unter der Oberfläche, die immer kurz vor dem Bersten scheint.

Für einen subtilen, jedoch wirksamen Soundtrack sind die Tindersticks als Meister des Chamber-Pop die richtigen Kandidaten. Eigentlich müssten sie das nach 30 Jahren Bandgeschichte nicht mehr beweisen – mit “Stars At Noon” tun sie es trotzdem wieder.

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