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Es geht vor allem um künstlerische Freiheit – James Yorkston und Nina Persson im Interview

Folk-Fans auf der ganzen Welt können es kaum erwarten. Am Freitag bringen der schottische Songwriter James Yorkston und The-Cardigans-Sängerin Nina Persson endlich ihr Kollabo-Album “The Great White Sea Eagle” an den Start. Gemeinsam mit dem Second Hand Orchestra lädt das Duo ein zu einer herzerwärmenden Reise durch das Reich der leisen Töne. Kurz vor der Veröffentlichung des Albums trafen wir uns mit James Yorkston und Nina Persson zum Interview und sprachen über brodelnde Gerüchteküchen, künstlerische Freiheit und die Magie im Hier und Jetzt.

MusikBlog: Nina und James, bevor wir über eure Musik sprechen, lasst uns kurz zurückblicken. Welche Erinnerungen habt ihr, wenn ihr an den Startpunkt eurer Zusammenarbeit denkt?

Nina Persson: In meinem Fall war es so, dass mir James und seine Musik von unserem gemeinsamen Freund Karl-Jonas Winqvist vorgestellt wurde. KJ ist Musiker, Produzent und ein wahrer Kenner, wenn es um spannende Kollaborationen geht. Er hat auch schon zuvor mit James und dem Second Hand Orchestra zusammengearbeitet. Als er mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, beim zweiten Album dabei zu sein, musste ich nicht lange nachdenken.

James Yorkston: Ich kannte Ninas Musik schon sehr lange und ich war immer ein großer Fan. Als wir dann irgendwann via Zoom das erste Mal Kontakt hatten, war das einfach großartig und auch sehr, sehr lustig. Wir haben ein bisschen gesungen und viel gelacht. So war das Eis schnell gebrochen.

MusikBlog: Nina, eine Weile ging das Gerücht um, dass du zuerst dachtest, es würde sich bei James um James Blunt handeln. Wie kam es dazu?

Nina Persson: Das ist eine völlig verdrehte Geschichte, die ein schwedischer Journalist gestreut hat. Das stimmt natürlich nicht. James hatte mal während eines Konzerts genau diesen Witz mit James Blunt gemacht. Wir lachten daraufhin alle auf der Bühne, weil es in dem Moment wirklich lustig war. Danach war das aber nie mehr ein Thema, bis dieser Journalist daraus seine eigene Geschichte gemacht hat.

MusikBlog: James, du sagtest gerade, dass ihr euch zuerst via Zoom “getroffen” habt. Seit zwei Jahren fungiert die Pandemie als ein dunkler Begleiter. Wie war es für euch, ein Album unter diesen erschwerten Bedingungen zu produzieren?

James Yorkston: Natürlich habe ich mir während dieser Zeit auch Sorgen um mein Umfeld, insbesondere meine Eltern gemacht. Aber als Musiker muss ich sagen, waren die letzten beiden Jahre fast schon ein Segen. Ich hatte noch nie so viel Ruhe und Zeit. Am Ende ist dann auch noch dieses schöne Album entstanden und ich bin jetzt mit Nina Persson befreundet. Ich kann mich eigentlich nicht beschweren. (lacht)

Nina Persson: Ich bin sehr gespannt, wie die Welt jetzt danach mit dem Ganzen umgehen wird. Ich hoffe sehr, dass die Kommunikation untereinander besser wird und eine neue Ebene erreicht.

MusikBlog: Musik ist auch eine Form der Kommunikation. Ihr habt euch für eure Kollaboration für einen sehr ruhigen, warmen, zwischen Folk, Jazz und Pop pendelnden Sound entschieden.

James Yorkston: Es gab keinen Plan oder gar ein Sound-Konzept. Genres spielten während der gesamten Entstehungszeit überhaupt keine Rolle. Es ging lediglich darum, das Beste aus allem was wir hatten rauszuholen.

MusikBlog: Man hat beim Hören des Albums auch das Gefühl, dass Improvisation eine große Rolle gespielt hat.

James Yorkston: Es geht vor allem um künstlerische Freiheit. Wenn man diese gewährt, dann ist Improvisation das, was folgt. Niemand sollte sich irgendwie eingeschränkt oder festgefahren fühlen. Jeder sollte das einbringen, was ihm wichtig war. So entstand eine sehr entspannte Atmosphäre, in der einfach nur reagiert wurde.

MusikBlog: Nina, wie hat es sich für dich angefühlt?

Nina Persson: Man hat schon gemerkt, dass die Band und James bereits eine Einheit sind. Ich kam dann dazu und meine Aufgabe war es, meine ganz persönliche Rolle in dem Ganzen zu finden. Das war sicherlich herausfordernd, weil ich so zuvor ja noch nie gearbeitet hatte. Aber es hat sehr schnell funktioniert.

James Yorkston: Wir haben vor ein paar Wochen in Stockholm gemeinsam geprobt. Wir hatten nur diese eine Probe. Ich glaube, wir hatten ungefähr vier Stunden zur Verfügung. Weißt du, was wir die ersten beiden Stunden gemacht haben? Wir haben getrunken und gequatscht. (lacht) Erst danach haben wir uns an die Musik gemacht. Das beschreibt unser Zusammensein ganz gut, denke ich. Es gibt und es gab nie bestimmte Vorgaben oder Regeln.

MusikBlog: Könntet ihr euch vorstellen, das Ganze zu wiederholen?

Nina Persson: Warum nicht? Aber es ist doch auch so: Wir haben jetzt erst einmal dieses Album fertiggestellt. Und wir sind alle sehr glücklich mit dem Ergebnis. Jetzt schon an eine Fortführung zu denken, würde den Moment in den Schatten stellen. Der fühlt sich aber toll an. Ich denke, wir tun gut daran, wenn wir diesen Augenblick im Hier und Jetzt genießen. Was danach kommt, wird die Zeit zeigen.

MusikBlog: Ihr habt bereits zwei Live-Shows als Duo gespielt. Wie war’s?

Nina Persson: Ich denke, dass wir gemerkt haben, dass da etwas ist, auf dem sich aufbauen lässt. Es hat sich gut angefühlt.

James Yorkston: Es war wirklich toll. Was ein bisschen komisch war, war das Piano. Ich spiele sonst eher Gitarre auf der Bühne und es herrscht meist auch bisschen mehr Trubel. Da waren aber nur Nina und ich und eben dieses Piano. Das war ein bisschen seltsam. Aber es war trotzdem super. Gemeinsam mit der Band wird es sicherlich auch sehr spannend werden.

MusikBlog: Ihr scheint nicht nur musikalisch gut miteinander klar zu kommen. Was zeichnet den jeweils anderen besonders aus?

James Yorkston: Nina ist einfach eine tolle Persönlichkeit. Musiker*innen finden meist sehr schnell einen Draht zueinander. Gerade, wenn man wie wir schon etwas länger im Business sind, dann muss man nicht mehr viel erklären. Ich bewundere Ninas Arbeitseifer. Sie ist sehr fleißig, eine tolle Sängerin und zudem auch noch sehr lustig. Sie hat viel Humor. Das mag ich.

Nina Persson: James ist ein Musiker, der unheimlich viel kann, aber das nie an die Große Glocke hängt. Er selbst bezeichnet sich als schüchtern, obwohl er eigentlich gar nicht schüchtern ist. Aber er ist jemand, der kein Interesse daran hat, sich in den Vordergrund zu stellen. Das mag ich an ihm. Er stellt lieber seine Arbeit in den Mittelpunkt. Seine Musik und seine Fähigkeiten im Bereich Songwriting sprechen für sich.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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