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John Cale – Mercy

Der Jahresauftakt gehört den Legenden! Nach dem agilen Iggy Pop (75) stellt mit John Cale (80) die nächste Alternative-Ikone ein neues Werk vor, seinem ersten seit über zehn Jahren.

Wie stets in seiner langen Karriere bemüht der The-Velvet-Underground-Pionier darauf nicht das eigene, üppig gefüllte Soundarchiv, sondern komponierte ein zeitgenössisches Album, welches auf keinem initialen Konzept, vielmehr auf aus Improvisationen entwickelten Ideen basiert.

Die 12 umfänglichen Kapitel von „Mercy“ sind bis ins Detail ausgelotete Kunstwerke, in denen avantgardistische Elektronik, orchestrale Passagen, filigrane Harmonien und tonale Bruchkanten betörende Klangbilder ergeben, in die Laurel Halo, Actress, Sylvan Esso und weitere Freigeister der Elektronik und Experimental-Szene eigene Akzente einbrachten.

Soul-getränkt schwebt der Titeltrack in die Dämmerung, wird die Platte auf ihrer Reise melancholischen Momenten „Moonstruck (Nico`s Song)“ begegnen, Liebeslieder („Noise Of You“) anstimmen und thematisch Ereignisse verarbeiten, die die Welt in den vergangenen Jahren verlässlich von einer Krise in die nächste manövriert haben. “Did you realise how late it was? Later than you think” fragt Cale anlassbezogen in „Time Stand Still“.

Oft genügt ein sperriger Ton wie die hämmernde Klaviertaste von „Out Your Window“, um die Aufnahmen mit Pandemie, Brexit oder Klimawandel zu verbinden, wobei die teils bedrohlichen Ist-Analysen „Not The End Of The World“ bedeuten.

Drums durchwühlen die Klangebenen von „Everlasting Days“, helfen Animal Collective, die Streicher des Songs zu fragmentieren, wird der jazzige „Night-Crawling“-Einstieg zunehmend zu Art-Pop-Glanz, mit dem das Stück seinem inhaltlichen David-Bowie-Bezug folgt.

Weyes Blood versetzt das strenge Protokoll der „Story Of Blood“ in einen Schwebezustand, verdichtet sich bei der Frage nach „The Legal Status Of Ice“ der meditative Gesang von Fat White Family  bis zur Tranceschwelle, um sich in melodischer Opulenz auflösen.

„I Know You`re Happy“ verraten Tei Chi, und John Cale könnte dies auch mit „Mercy“ sein. Wahrscheinlicher beim ewig Unzufriedenen jedoch, dass seine Suche nach Neudefinition musikalischer Ausdrucksformen weiter geht.

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