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Lichen Slow – Rest Lurks

Indie-Nostalgiker aufgepasst und zurückgelehnt: Malcolm Middleton von Arab Strap und Joel Harries von Team Leader verprellen als Lichen Slow den Zeitgeist und machen streichzarte Songs für den Winterschlaf, obwohl ein gefühliges Wehleiden als fester Stachel im Fleisch sitzt.

Alkohol, Hoffnungslosigkeit, Depression und enttäuschtes Sexleben, das waren die Themen, mit denen Arab Strap Mitte der 90er Jahre ein Brennglas auf ihr schottisches Kleinstadtleben in Falkirk warfen. Themen, die nicht für extrovertierte, vor Selbstbewusstsein überbordende Musik taugten, dafür aber Bands wie Belle & Sebastian oder Travis als Vor- und Sinnbild für die eigene Kreativität galten.

Dabei waren und sind die Menschen hinter den Songs schon immer besser, als sie sich selbst zeichnen. Mit „Imposter Syndrom“ gibt Middleton dem Gefühl, nicht zu genügen, jetzt einen Namen, respektive einen Titel: „The story arc is horrendous“, heißt es darin – hoffentlich auch ein bisschen augenzwinkernd.

An der Seite von Joel Harries schreibt er Songs, die sich mit der geistigen Gesundheit und dem Stand der Kunst auseinandersetzen. „Rest Lurks“ ist deshalb auch dem Titel nach das Konglomerat ihrer jeweiligen Stärken, die beide aus der Sanftmütigkeit ziehen. Es unterstreicht das rohe Talent zweier Musiker, die ihre Songs nicht schreiben, weil sie es müssen, sondern einfach, weil sie es brauchen.

Und gerade deshalb blitzt zwischen der Enttäuschung dann doch noch so etwas wie eine selbstbewusste Zeile auf: Im flottesten Stück „Preset“ sind auch mal die anderen die Loser: „Even good bands are singing shit songs these days“.

Lichen Slow machen keinen einzigen davon. Der Niedergeschlagenheit steht immer der Trost der Musik gegenüber. Das zuckersüße „Pain Ctd“ etwa ist wie ein kratzfreier Stickpullunder für den Katzensessel.

Die engelsgleiche Stimme von Harries frohlockt in ausladendem Ambient-Indie in „Pick Over The Bones“ und „Tense“ sowie den melancholischen, vom Folk inspirierten Klageliedern „It’s Not What We Thought“ und „Tire“. Allesamt Songs, die auch vor 20 Jahren hätten erscheinen können und heute doch keinen Deut schlechter wären.

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