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Emily King – Special Occasion

Dass Emily Kings Debütalbum “East Side Story” bereits 2004 erschien, kann und will man beim Hören von “Special Occasion” gar nicht fassen. Viel zu frisch und zeitgeistig klingt diese Platte und eben nicht nach einer längst etablierter R&B-Sängerin. Dieser Jungbrunnen macht alles richtig.

Dabei muss wenigstens einmal erwähnt werden, dass der Vorgänger “Scenery” vor knapp vier Jahren einige Grammy-Nominierungen einheimsen konnte. King ist also auch 20 Jahre nach Karrierestart noch wohlwollend rezipiert. “Special Occasion” beweist: zurecht.

Dafür schwankt der Pulsschlag des Albums zwischen Wehmut auf der Couch und Aufregung auf Reisen. Immer aber – und das muss hier mit einer ganzen Textmarker-Palette unterstrichen werden – im absoluten Wohlklang. In puncto Produktion ist das hier ganz großes Kino, in Sachen Gesang und Melodie dito.

Sei das nun in den verhallenden Leerstellen von “The Way That You Love Me”, dem abseitigeren und quirligen “Medal”, dem Soundtrack-Vibe von “Bad Memory” (feat. Lukas Nelson) oder der zerbrechlichen Leidenschaft des Titeltracks – Emily King ist Meisterin im Nerven-Treffen.

Obwohl die Platte generell eine Verbeugung vor dem Understatement ist, werden immer wieder Bläser, Streicher und Background-Chöre in die Manege geführt. Im grundsätzlich großzügig ausgestalteten Outro der Songs ist dafür immer eine freie Fläche für wiederholende Muster und Motive reserviert. Ein schöner Clou, der auch nach 11 Songs noch nicht auserzählt ist.

Im Albumverlauf überwiegt stimmungstechnisch die introspektive Sanftmut im Herzschmerz-Leitfaden, aber auch diese ruhigeren Töne umhüllen wunderschöne Melodien. Besonders ergreifend klingt das in  “Waterfalls”, das übrigens auch in Arlo Parks‘ Diskographie eine gute Figur machen würde.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Pluspunkt an diesem Album: Trotz all dieses Schönklangs wirkt “Special Occasion” wie frisch aus dem King-Kämmerlein. Viel Persönlichkeit und nahbare Momente machen die Platte zu einem sehr warmen Empfinden, allen voran im doch sehr reduzierten “Who Wants My Love”.

Ob das mit den nächsten Grammys klappen wird? Das müssen andere klären. “Special Occasion” ist jedenfalls mindestens genau so ein hochwertiges Stück Musik wie sein Vorgänger.

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