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Girl Ray – Prestige

Von der Indie-Folklore hin zur Leichtfüßigkeit unter der Diskokugel. Das ist bei Girl Ray nicht länger Stimmungsschwankung, sondern Einstellung. Auf ihrem dritten Album “Prestige” treibt das Londoner Trio gemäß dem eingeschlagenen Kurs auf dem Vorgänger „Girl“ noch weiter ab vom Debütalbum.

Wem der unbedarfte Gitarrenpop 2017 an den Gefühlsenden zerrte, der wird das auch jetzt im Stillen bedauern. Wer schon damals fand, dass das andere besser machen, zählt den gleichermaßen unbedarften Synth-Funk, der inzwischen Songs wie „True Love“ oder „Love Is Enough“ umweht, zur cooleren Sorte.

Und überhaupt die Liebe. Die Band um Poppy Hankin, Iris McConnell und Sophie Moss baut ihre Texte um die große Emotion herum, wie Movingheads um die Diskokugel. Und genau dort, auf der Tanzfläche, verortet die Band dann auch die Liebe und lässt sie beflissentlich überkochen.

Ob im Vibe von „Wanna Dance“, das im Stile Daft Punks zur „Get-Lucky“-Phase nach Bedeutung sucht, oder in Zeilen wie „Baby we were hot like a cigar/ But here I am crying in the back of my car” – alles ist aus den im Kreis gestrickten Gefühlen Tanzen, Lieben, Leiden gemacht.

Den identitätsstiftenden Aspekten der Clubkultur spührt „Prestige“ mit einer gewissen Hingabe nach und bedient sich dabei 80er Synthie-Fahnen und einem Hauch von Disco-Pop.

Mit den zu Protokoll gegebenen Vorbildern, allen voran einer elektronischen Indie-Granddame wie Róisín Murphy, können Girl Ray deshalb noch nicht Schritt halten. Mit den Attributen abgeklärt und traditionsbewusst können sie aber durchaus hausieren gehen und in den besten Momenten gar Richtung Haim schielen.

Denn an dieser Stelle überschneiden sich schließlich auch am ehesten die Einflusssphären. Hätten Fleetwood Mac ihrer Zeit mehr in Disko und Funk investiert, wären Girl Ray heute einer der Renditen. So aber bleibt die weitere Entwicklung der Band eine Sache für Spekulanten und durchaus interessant.

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