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Kytes – To Feel Something At All

“Are you in for something new?”, fragen Kytes im Opener und klingen dabei ziemlich aus der Zeit gefallen. Tatsächlich versprechen sie mit ihrem dritten Album “To Feel Something At All” eine Rückkehr zu ihrem eigenen Ursprung und schwelgen in Erinnerungen an jene Zeit, als Indie noch der heißeste Shit war.

Verspielt wie einst auf ihrem Debütalbum “Heads And Tales” und aufgekratzt wie zuletzt auf “Good Luck” gelingt den Jungs aus München mit “To Feel Something At All” ein Traum aus Pastell und Freibad-Pommes.

Auf dem neuen Album halten die Kytes nichts von Zeitverschwendung. Ab der ersten Sekunde prescht die Platte unbeschwert und leicht drauf los. Kein Abduschen, sondern direkt mit einer Arschbombe ins Wasser. Die rasanten Gitarren des Openers “Out Of Time” geben einen guten Vorgeschmack auf die bevorstehende überschaubare Spielzeit.

Denn flüchtig wie der Sommer selbst und mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Hundewelpen schafft es lediglich einer von 11 Songs gerade mal so über die Drei-Minuten-Marke. Doch mit der herzigen Verspieltheit jenes Wollknäuels überzeugen Kytes dennoch, weshalb man das verschenkte Potenzial an auszuschmückenden Arrangements und Melodien in Kauf nimmt.

“Up In My Mind” verführt mit einem sanften Synth-Klangteppich, hallendem Gesang und einem unbändigen Beat. Die Hookline und der eigentliche Reiz liegen aber eindeutig in den perkussiven Instrumentalteilen.

“A Day And A Half” eröffnet mit erdigen Drums, bevor sich nach und nach eingängige Riffs entfalten. Das treibende “Help Me” verfolgt einen ähnlichen Aufbau und erinnert an all die tanzwütigen WG-Partys zu Vampire Weekend, Phoenix und Two Door Cinema Club.

Auch im stampfenden “Mister Burns” geben Kytes alles. Der Song klingt nach stickiger Luft in kleinen Clubs und verschwitzter Eskalation auf der Tanzfläche. Das Erwachsensein lag noch nie in so weiter Ferne.

Apropos Adoleszenz: “Younger” lässt den eigenen Werdegang Revue passieren. Vom Fußballclub über die Anfänge als Schuldband bis zum ersten großen Auftritt ruft es dazu auf, Träume nicht aufzugeben: “Never cared what my teacher or my mum said.” Zunächst zurückhaltend bricht auch dieser Track gegen Ende aus.

In “Friend Of A Friend” zelebrieren die Kytes 80s-Claps, Hi-Hats und Cowbells. Gemeinsam mit einem mitreißenden Bass, Synth-Terzen im Refrain und verwaschenen Gitarren geben sie sich dem zeitgemäßen Retro-Sound hin.

Doch irgendwann werden die Schatten länger, die Tage kürzer und die Abende kühler. Mit viel Sonne auf der Haut und noch mehr Wehmut im Herzen kehrt der reduzierte Schlusstrack “Rapstar” auch noch die Letzten aus der Freibadanlage raus. Ein weiterer endloser Sommer geht zu Ende und Kytes liefern mit “To Feel Something At All” den perfekten Soundtrack.

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