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Jorja Smith – falling or flying

Musikalische Früherziehung zahlt sich aus. Was bei manchen schon am Flötespielen scheitert, führte Jorja Smith zu einem Brit Award. Die junge Britin wurde mit dem Klavier und der Oboe an die Musik herangeführt.

Mit “Falling Or Flying” liegt das dritte Album vor, das mit lockerem Soul und zielgerichtetem R&B zu überzeugen weiß. Früh fällt Jorja Smiths rauchige Stimme auf, welche in den Sprechgesangsparts am ehesten an Rihanna erinnert.

Sehr auffällig hört man das beim lockeren Opener “Try Me”, einem Titel, der auch die Ausrichtung des Songwritings offenbart. Wie schon auf den Vorgängeralben zeichnet Jorja Smith das Bild einer starken jungen Frau, die zwischen tiefen Emotionen und der modernen Oberflächlichkeit wandert.

Das soulig schäkernde “She Feels” oder das lockerfreudige, mit Seifenblasen von karibischer Rhythmik experimentierende “Little Things” lassen sie nicht nur textlich selbstbewusst erscheinen. Ihre Gesangsstimme gewinnt mit dem Selbstbewusstsein auch an Farbe. Ihr nasal rauchiges Organ schmeichelt dem Sprechgesang ebenso wie den smoothen Gesangspassagen.

Mit Gastmusiker J Hus wandelt sie mit “Feelings” weiter auf einem R&B-Kurs inklusive Reggae-Rhythmik und Rap-Parts. Das verliert sich leider etwas in einem übersättigten Klangkonstrukt, dem der Titeltrack “falling or flying” schnell entgegensteuert:

Ein Klavierintro eröffnet das soulige, sehnsüchtige Reigen von Jorja Smith. Einsam den Geliebten herbei sehnend, blickt sie aus imaginären Fensterscheiben in die Nacht und lässt dabei ihren Gesang in voller Blüte erstrahlen.

Etwas unsanft weckt “Go Go Go” aus diesem Soultraum. Ein paar motivierte Gitarrenakkorde, pulsierende Beats und vor allem Jorjas Stimme sorgen für zweieinhalb Minuten chartorientierte Ausgelassenheit.

Wenig später bei “Greatest Gift” mit Bettlaken-R&B und Gastrapperin Lila Ike ist der Chart-Erfolg eigentlich vorprogrammiert, so unaufgeregt und doch eindringlich vermag der Titel die Stärken beider Damen perfekt zu vereinen.

“Broken Is The Man”, “Makes Sense” und “So Many Times” sowie “Lately” stehen mit marschierendem Soul inklusive eindringlichen Bassparts bzw. verträumtem Saitenspiel den vorhergehenden Titeln in nichts nach. Jorja Smith weiß, sich gegen die Instrumentierungen zu behaupten und vor allem bei “Makes Sense” mit einer sehr eingängigen Gesangsdynamik zu gefallen.

Etwas aus der Rolle fällt “Backwards”, das auf der Uptempo-Bremse steht, dabei die Instrumentierung am hohen Einsatz von Smith hängen lässt, während sich im Hintergrund bereits Streicherarrangements daran machen, das vielversprechende Intro in sanftere Bahnen zu lenken. So tritt der Titel gefühlt auf der Stelle des eigens erzeugten Spannungsbogens und lässt diesen flach abfallend versanden.

Besser macht das “What if my heart beats faster ?”. Den Spannungsbogen bietet hier Jorjas Stimme selbst, die vom klavierbegleitetem emotionalen Gesang hin zum Croonen wechselt, wenn sich Streicher dazu gesellen. Der pulsierend taktgebende Beat fügt sich unaufdringlich ein, wenn das Outro zum Gefühlskino wird.

Jorja Smith beweist mit einer eindringlichen Stimme und toll arrangiertem, modernem Sound, dass die Vorschusslorbeeren durchaus berechtigt sind. Ihre Stimme näselt zwischen samten, voluminösen und einem rauchigen, aber nie kratzigem Gesang stets auf hohem Niveau und weiß, sich selbstbewusst über die Instrumentierung zu platzieren.

Ein Glück, dass Jorja Smith nicht am Flötespielen gescheitert ist.

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