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Vagabon – Sorry I Haven’t Called

Indie-Rock trifft auf elektronische Sounds, authentische Texte und einen Hybrid aus Sprechgesang und gehauchter Intimität. So oder so ähnlich könnte man Vagabons Genre-Mix auf ihrem neuen und dritten Album “Sorry I Haven’t Called” beschreiben.

Wobei gehauchte Intimität hier womöglich eine Fragilität andeutet, die eigentlich gar nicht vorhanden ist. Das klingt jetzt alles etwas abstrakt, aber wahrscheinlich muss man sich zu Beginn erst ein bisschen verkopft mit dem Sound von Vagabon auseinandersetzen, um am Ende wenigstens eine grobe, dafür aber sehr persönliche Beschreibung des Gefühls zu vermitteln, das Vagabon auf “Sorry I Haven’t Called” vermittelt.

Da wären Tracks wie “You Know How”, auf denen ihre sanfte Stimme durch Autotune möglicherweise die Anonymität bekommt, die wir uns alle manchmal wünschen würden, um unsere Gedanken authentisch der Öffentlichkeit preiszugeben. Tracks wie dieser rufen dem Opener des Albums “Can I Talk My Shit?” und der damit verbundenen Frage ein euphorisches “Ja!” entgegen und geben den Ton für “Sorry I Haven’t Called” an.

Denn auf dem Album wirkt, trotz der extrem diversen Klangatmosphären, die vom gitarrenlastigen “Anti-Fuck” bis zur sphärischen Ballade “Autobahn” angespielt werden, nichts aufgesetzt.

Auf “Do Your Worst” schafft es sogar Drum’n’Bass in die ausführliche Liste erkennbarer Einflüsse, die sich auf Vagabons neuestem Album Gehör verschaffen.

“Sorry I Haven’t Called” erweckt den Eindruck eines ungefilterten Tagebuchs, das sich sonst keinem Konzept beugen muss. Die Musik passt sich derartig der Stimmung an, dass Vagabons Gesang fast losgelöst von der musikalischen Ebene agiert. Als hätte sie sich im Bewusstseinsstrom aller Gedanken entledigt, die ausgesprochen zu Fragen beim Gegenüber führen würden, und sie danach mit der Antwort in Klangform ausgestattet.

Damit ist Vagabon gewissermaßen der Gegenentwurf zu Charli XCX‘ bewusstseinsstrom-artigem Hyper-Pop, der floskelhafte Texte erst mit einer Wand aus Sounds dekonstruieren muss, um irgendwo im Kern eine authentische Wahrheit zu finden.

Irgendwie beruhigend, dass es beides gibt.

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