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Es war schon verrückt, aber fühlte sich auch irgendwie vertraut an – Real Estate im Interview

Muss sich eine Band, die ihr neues Studioalbum “Daniel” nennt, zwangsläufig die Frage gefallen lassen, wer genau dieser “Daniel” denn ist? Wir finden schon – und so trafen wir uns mit den Real-Estate-Verantwortlichen Martin Courtney und Alex Bleeker zum Interview und stellten eben genau diese Frage – und natürlich noch ein paar andere.

MusikBlog: Der Titel eures neuen Albums lässt mir einfach keine andere Wahl. Also muss ich euch fragen: Wer ist “Daniel?”

Martin Courtney: Ganz ehrlich: “Daniel” kann jeder sein. Als wir mitten im Produktionsprozess des neuen Albums steckten, kam auf einmal die Frage nach einem passenden Titel auf. Irgendwie hatte dann jemand die Idee, dem Album einen richtigen Namen zu geben. Ich kann dir nicht genau sagen warum, aber am Ende wurde es dann “Daniel”. Es geht aber nicht um einen bestimmten Daniel oder um all die Daniels dieser Welt. Es geht einfach nur um einen Titel. Ich meine, wir haben in der Band Verwandte und Freunde, die Daniel heißen. Aber die haben alle nichts mit dem Titel zu tun.

MusikBlog: Nur um wirklich alles auszuschließen: Der Produzent eures neuen Albums hört auf den Namen Daniel Tashian. Zufall?

Martin Courtney: Absolut. (lacht)

MusikBlog: Dann lasst uns das abschließen und ein bisschen weiter zurückblicken. Das letzte Album “The Main Thing” erschien vor mehr als drei Jahren. Gab es einen bestimmten Moment, in dem der Gedanke an ein neues Album Fahrt aufnahm?

Martin Courtney: Es gab sogar zwei Situationen. Zuerst war es so, dass wir direkt nach der Veröffentlichung von “The Main Thing” mit der vollen Wucht der Pandemie konfrontiert wurden. Soll heißen: Es war konzerttechnisch auf einmal nichts mehr möglich, so dass wir die Pläne für eine Tour zum Album begraben mussten. Ich habe mir dann gedacht, dass es eine gute Idee wäre, sofort mit dem Schreiben von neuen Songs zu beginnen.

Als dann aber klar wurde, dass nicht abzusehen war, wann sich an der Situation etwas ändert, habe ich den Prozess unterbrochen. Ich habe dann an meinem zweiten Soloalbum gearbeitet (“Magic Sin“). Ende 2022 habe ich dann die Arbeit an den Songs für die Band wieder aufgenommen. Das machte dann wieder Sinn, weil ich wusste, dass wir auch wieder auf Tour gehen können.

MusikBlog: Musikalisch seid ihr wieder unheimlich melodisch unterwegs. Das komplette Album wird von einer sehr entspannten und positiven Atmosphäre getragen.

Martin Courtney: Diesmal war es ein Prozess, der sich irgendwann ganz bewusst in eine Richtung bewegt hat. Die ersten Songs, die ich schrieb, die waren sehr melodisch und im Vergleich zu unseren älteren Sachen auch wesentlich poppiger. Ich fand das irgendwie cool und fragte mich, was falsch daran wäre, das bis zum Ende so durchzuziehen. Ich fand nichts, also blieb ich dabei. Später bei den Aufnahmen hat sich dann alles perfekt eingefügt. Wir haben viele akustische Gitarren mit dabei. Alles klingt irgendwie sehr offen. Das hat mir und auch den anderen total gefallen.

MusikBlog: Was hat euch diesmal soundtechnisch inspiriert?

Martin Courtney: Wir sind natürlich in erster Linie bei uns und unserem Bauchgefühl. Es gibt aber auch Momente, in denen wir uns ganz bewusst an bestimmten Atmosphären und Vibes orientieren. Es geht da weniger um Songstrukturen, sondern mehr um das große Ganze. Diesmal war es so, dass ich die meiner Meinung nach sehr faszinierende Album-Atmosphäre von “Automatic For The People” (R.E.M.-Album aus dem Jahr 1993) in meinem Kopf hatte. Ich wollte für “Daniel” einen ähnlichen Grundsound kreieren. Ich denke, das war die größte Inspiration, die von außen mit einbezogen wurde.

MusikBlog: Die Neunziger spielen in eurem Leben und in eurer Musik eine große Rolle. Ihr seid Kinder dieses Jahrzehnts. Im Video zur Single “Water Underground” wirken sogar die Hauptdarsteller (Danny Tamberelli und Michael Maronna) der damaligen sehr erfolgreichen Sitcom “Pete & Pete” mit. Wie war das für euch?

Martin Courtney: Das war schon ziemlich verrückt. Aber es fühlte sich irgendwie auch vertraut an, denn der Hauptdarsteller Danny Tamberelli stammt ursprünglich aus einem Nachbarort von uns, und die Serie selbst wurde ja auch in unserer Umgebung gedreht. Ich hatte irgendwie schon immer das Gefühl, dass man da irgendwann einmal zusammenkommen könnte. Mit dem neuen Album und der Single “Water Underground” hat es dann endlich geklappt. Ich habe Danny den Song geschickt und er war am Ende so begeistert von der Idee, dass er sogar Michael (Schauspielkollege Michael Maronna) und noch ein paar Autoren der Serie mit ans Set gebracht hat. Das war schon ziemlich cool für alle von uns.

MusikBlog: So ein Videodreh ist ja nur ein kleiner Teil des großen Ganzen. In welcher Phase fühlt ihr euch am wohlsten, wenn es um eine Albumproduktion geht?

Martin Courtney: Das hängt natürlich auch immer von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Aber ich persönlich finde es immer sehr schön, wenn man mit fertigen Songideen und Strukturen ins Studio kommt und dann eine Zeit beginnt, in der man herum experimentieren und sich fallenlassen kann.

Alex Bleeker: Diese Zeit im Studio ist natürlich auch im Vergleich zu anderen Dingen, mit der die Band beschäftigt ist, sehr rar. Wir waren jetzt in den letzten 15 Jahren ungefähr fünfmal zusammen im Studio. Diese Exklusivität macht es natürlich zusätzlich aufregend und spannend. Auf der anderen Seite reisen wir unheimlich viel, lernen viele neue Orte und Menschen kennen. Das prägt natürlich auch. Es gibt so viele Dinge zum Genießen.

MusikBlog: Während der Pandemie war all das nicht, beziehungsweise nur sehr eingeschränkt, möglich. Gab es Momente, in denen die Band auf der Kippe stand?

Martin Courtney: Wir machen jetzt schon so lange zusammen Musik. Ich denke nicht, dass wir die Band einfach so irgendwann auflösen könnten. Dafür ist sie ein viel zu großer Teil in unserem Leben. Dabei geht es aber weniger um die Business-Seite, sondern viel mehr um die emotionale Bindung.

Alex Bleeker: Ich glaube auch, dass wir mittlerweile an einem Punkt sind, wo die Band einfach dazugehört. Ich kann mir irgendwie alles mit dieser Band vorstellen – und ich bin auch mit jeder Variante fein. Vielleicht steigen wir irgendwann mal zu Taylor Swift und Ed Sheeran auf und spielen in den größten Stadien der Welt. Vielleicht gibt es aber auch mal ein Jahr, in dem wir nur eine kleine Show irgendwo in einem Club spielen. Was auch passiert, es ist völlig in Ordnung.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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