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Sweat – Love Child

Habt ihr schon mal über ein Aggressionsbewältigungsprogramm nachgedacht? Habt ihr eine kurze Zündschnur? Geratet ihr leicht in Rage? Vergesst diesen ganzen Therapiekram, mit “Love Child” von Sweat bekommt ihr ein Nagelbrett ohne Hammer, an dem ihr überschüssige Energien loswerden könnt.

Das kalifornische Trio, mit Frontfrau Tuna Tardugno am Mikro, sorgt zwei Jahre nach seinem Debütalbum “Gotta Give It Up” für frischen Wind in der Hardcore-Punk-Szene.

Zehn Tracks mit je zwei Minuten hingerotzter Weltanschauung, pflügen sich einmal quer von rechts nach links durch den Gehörgang und versetzen die Extremitäten mit Extremen in Wallung.

Ja, Sweat orgeln sich durchs Punkgenre und stehen dabei aktuellen Knüppelbands wie Amyl And The Sniffers in Nichts nach. Von Track eins “Commercial Pleasure” bis zu “Predisposed Paranoia” am Ende, verteilen Sweat einen Amphetaminkick nach dem anderen.

Tuna Tardugnos zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftiger Schreigesang, der stets ein wenig nach wildgewordener Kindergartenhorde klingt, wird schnell zum Sirenengesang in einer Sturmfahrt bei Riffgewitter. Tardugno hat jede Menge Liebe für die Hardcoreszene, aber auch genug Rage für Sozialkritik, verpackt in purem, brachialem Rock.

Die selbstbewusste Hymne “Give Me Action” ballert durch bis zum gniedelnden Finalriff, das Drumbombardement von “Pair Of Dice” danach gerät derart in Rage, dass das folgende “Pure Display” schon fast als willkommene Erholung für das Gehör gelten kann.

“White Nectarines” setzt auf so was wie in Form geschlagene Melodien, hat einen Chorus, der mit geballter Faust Betonwände zum Bersten bringt und lässt Sänger Tardugno wie Rumpelstilzchen durchs Gehölz wüten.

Hingerotzt wütend macht sich “Bad Taste” mit mehrstimmigem Growling Luft, während der Drummer Akkordarbeit leistet, was bei fast drei Minuten Tracklaufzeit zur Ausdauerleistung wird.

Rock’n’Roll setzt es beim Titeltrack “Love Child”. Da zwirbeln feinste Riffs hin zur unausweichlichen Verschnaufpause, welche mit gekonnt überwältigendem Saitenfeuerwerk beendet wird.

Ebenso ohrenschmeichelnd macht sich das Stakkato-Rock-Ende “Physical” auf den steinigen Weg, den Hardcoreolymp zu erobern.

Mit einer Bassartillerie wird eben dieser auf “A Real Good Time” befeuert, was Tardugnos Laune zu steigern scheint, die bei “Predisposed Paranoia” zum wahnwitzigen Punkleuchtfeuer wird. Mehrstimmig bringt man das ganze Genre zum Wanken, knüppelt und knarzt atemlos ausgelassen im Takt des Drummers.

“Love Child” mag ein ziemlich irreführender Titel für das dargebotene Hardcoregeprügel sein. Genrefreunde werden aber sehr schnell viel Liebe für die Kalifornier empfinden, denn Sängerin Tuna Tardugno und ihre beiden Mitstreiter bringen feinste Punk-Kost unters Volk.

Auch, wenn Tardugno manchmal wie ein überfahrenes Eichhörnchen mit Drill-Sergeant-Ausbildung klingt, bringen Sweat den Energiehaushalt eures Körpers auf Vordermann.

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