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Phosphorescent – Revelator

Nach Bestrahlung mit UV Licht im Dunklen zu leuchten, ist die Eigenschaft von phosphoreszierendem Material. Eine Eigenschaft, welche auch auf Matthew Houck passt, der seit 2001 als Phosphorescent die US-Americana Szene bespielt. Uns Europäer lies er bisher ziemlich im Dunklen über sein Schaffen, der achte Longplayer “Revelator” schickt sich jetzt aber an, Licht ins Dunkel zu bringen.

Der in Nashville lebende Musiker hat 2009 ein Willie Nelson Tributalbum veröffentlich, was auch den Musikstil des vorliegenden Albums schön umschreibt. Jedoch nicht dessen Schönheit.

“Revelator” beginnt mit verträumtem, countryeskem Einstand und Houcks weicher, leicht kratziger Stimme. Diese erinnert in ihren wogenden Tempiwechsel an Stu Larsen und schmiegt sich harmonisch an das Streicherspiel im Hintergrund. Bis hin zum mantraartigen, im instrumentalen Schwelgen zerfließenden Refrain “I got my heart open wide, but the city been shut down”.

Da geht die Sonne auf und selbst ein Titel wie “The World Is Ending” wird zu sanftmütigem Indiefolk. Matthew Houcks exzellentes Songwriting trägt diesen Titel hin zu einem Stromgitarren-Intermezzo, welches der vorherrschenden Melancholie noch mehr Tiefe verleiht.

Auch “Fences” zeigt sich eingezäunt in der Schwermut und mauert sich selbst mit sägendem Geigenspiel ein und “Impossible House” bringt mit Textzeilen wie “Just a captain doomed to drown” das vorherrschende Gefühl während einer Americana-Melange zum Ausdruck.

“Wide As Heaven” wird zum durchdringenden Licht im Schaffen von Phosphorescent. Schnarrend und wabernd orchestriert, begleiten die Instrumente Matthew Houcks Hinwendung zum Licht und erstrahlen in einer gleißenden Instrumentalsupernova, welche diesen Titel lange erstrahlen lässt.

Derart gestimmt, kann man sogar den “A Moon Behind The Clouds” sehen. Im Stile von Jack Johnson aber mit deutlich mehr Nerve, lässt man Hüften wackeln und strahlende Gesichter im sanften Schwof erkennen.

“All The Same” bleibt der Atmosphäre treu, schraubt das Tempo zugunsten des Americana nach unten und sinniert über die Gleichheit in allem, bevor er sich der verkanntesten Formen der Dichtkunst widmet.

“A Poem On The Men´s Room Wall”. Keine Sorge, das Niveau sinkt nicht. Viel mehr zeigt sich Houck mitteilungsbedürftig und tiefgründig ob der sanften Rhythmik, die dem Titel innewohnt.

Irgendwo versteckt sich auch ein wenig James Vincent McMorrow, wenn “To Get It Right” das Album beendet. “City lights they shine on you. To get it right is hard to do”. Mit solchen Songzeilen, folkig begleitet, kann man sich ins kollektive Weltgedächtnis brennen.

“Revelator” bringt Licht ins Dunkel und lässt euer Leben erhellen. Das Album ist ein gelungenes, in seinem Schaffen schwelgendes Singer/Songwriteralbum mit großartigen instrumentalen Momenten, die sich zwischen Americana und Indiefolk heimisch fühlen.

Phosphorescent versteht sich darauf, das Potential zu nutzen, seine gefühlvollen Texte auch instrumental zu begleiten. Gerade diese Intermezzos sind die Offenbarung in “Revelator”.

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