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Wallows – Model

“Wir wollen nicht zu viel der Aufmerksamkeit der Hörer*innen, aber wir wollen sie bei der Stange halten.” Frei aus dem Englischen übersetzt sagte das so Dylan Minnette, den viele nicht nur als Sänger und Gitarrist der Wallows kennen, sondern auch als getriebenen Teenager Clay Jensen aus der Netflix-Serie „13 Reasons Why” (“Tote Mädchen lügen nicht“), über das neue Album “Model” seiner Band.

Klingt erstmal nach einer merkwürdigen Ambition. Die meisten Künstler*innen würden ein nur partielles Interesse ihrer Hörer*innen wahrscheinlich als Affront gegen ihr Werk verstehen. Wenn man sich „Model“ dann aber anhört, macht die Aussage absolut Sinn, denn das dritte Album des Trios nimmt zu keiner Zeit zu viel Raum ein und hält insofern bei der Stange, als dass kein einziger Song aneckt oder stört.

Die Frage ist nur: Ist das erstrebenswert? Während sich Wallows für ihr letztes Album von 2022 Hilfe von Produzent Ariel Rechtshaid holte, der beispielsweise schon mit HAIM oder Vampire Weekend arbeitete und „Tell Me That It’s Over“ wahrscheinlich nicht zuletzt deswegen mit einer guten Prise Streichern und Synthies aufgebauscht wurde, kehren sie für „Model“ zu ihren Wurzeln zurück.

Sie holten sich wieder John Congleton mit ins Boot, der auch bereits bei „Nothing Happens“ für den letzten Schliff sorgte. Und obwohl auch beim Debütalbum der Großteil des Weges schon auf ausgetretenen Pfaden zurückgelegt wurde, sorgten zumindest Songs wie „Do Not Wait“ mit seinen sechseinhalb Minuten für ein überraschendes Finale, das man auf „Model“ leider vergebens sucht.

Der Opener „Your Apartment“ sorgt noch für einen guten Einstieg, der zwar auch nicht spektakulär ist, aber als eingängige Indie-Pop-Nummer mit ein paar dunklen Klavierakkorden, einem griffigen Gitarrenriff und einer Dramatik in den Vocals im Refrain, die an den guten, alten Emo-Pop in unterkühlter Form erinnert, in Erinnerung bleibt.

Und auch „Calling Me“ bleibt als Anwärter auf den Sommerhit im Ohr hängen. Flirrende Gitarren treffen auf einen groovenden Bass, leichte Percussion und hintergründige Synthies, die nicht herausstechen, aber doch für diesen gewissen Charme sorgen. Natürlich geht es um Verliebtheit, wie könnte das auch anders sein bei einer solch leichtfüßigen Nummer.

Ein Großteil der restlichen 11 Songs der Platte verschmilzt jedoch zu einem Einheitsbrei aus Indie-Pop, bei dem es schwierig ist, eine eigene Handschrift des Trios zu erkennen.

Da erscheint der Titel des letzten Songs „Only Ecstasy“ fast schon ironisch, denn auch wenn Wallows sich hier an einer ekstatischen Steigerung versuchen, haben sie trotz verzerrtem Gitarrensolo, langgezogenen Vokalen und wildgewordenem Tambourin die Handbremse angezogen und so will auch dieser glühende Funke zum Schluss nicht so richtig überspringen.

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