Den Süden Londons haben sie bereits erobert, wenig später gibt sich auch die Fachpresse geschlagen: Deadletter lassen die frühen 2000er mit einer Mischung aus Garage-Rock, Punk, Dancebeats und Skaeinflüssen aufleben. Mit „Hysterical Strength“ liegt das Debütalbum der sechs Londoner Musiker vor, die mit einem Dutzend Tracks versuchen, die dichte Atmosphäre ihrer Livesets ins heimische Wohnzimmer zu bringen.

Zum Gelingen dieses Vorhabens trägt der dynamische, ja treibende Sound bei, der in jedem Titel einen vielklingenden Soundteppich über den akzentstarken Gesang breitet.

Ob der treibende Schlagzeugbeat auf rollendem Bass bei „Credit to Treason“, die tanztaugliche Bläser-Kakophonie-Eskapaden auf „More Heat!“ oder das Duett aus eindringlichen Worten und moogendem Basslauf auf „Mother“- Deadletter beweisen schon auf den ersten drei Albumtracks, dass sie sich ihre Lorbeeren erspielen wollen. „Now just forget it all and dance“ skandiert man im letztgenannten Song und lässt einen doch nur die Füße im trompetenverhangenen Londoner Regen vertreten.

Die Leine los lässt „Bygones“ und beschwört die „fallen saints“ mit einem magengrubenschwingenden Basslauf und mehrstimmigem Chorus auf wechselnden Akkorden. Das lässt die Extremitäten zappeln und Sänger Zac Lawrence von der Kanzel der Eingängigkeit predigen.

„A Haunting“ trollt sich mit Skaklängen, „It Flies“ schwingt auf Lawrences Medienkritik durch den bläserverhangenen Tanzdschungel und bereitet dem Titeltrack die Bühne vor. Besänftigt exzentrisch, atmosphärisch dicht rollt dieser mit Bläsern, Bässen und einem Uptempo-Beat durchs Gehör.

Homogen im Zusammenspiel, bringen Deadletter eine ganz eigene Präsenz, getragen von der Dynamik ihres Spiels mit. Cool zwischen Jazzclub und Swingkneipe treibt sich „Relieved“ herum, packt die Bläser aufs Podest und stempelt Zac Lawrence mit dem Prädikat „Storyteller“ ab.

Im Schwof des eigenen Schaffens, unterbrochen von der Rage des Leadsängers, suhlt sich „Deus Ex Machina“ und steigert sich vom sumpfigen Klangmorast hin zu einem vibrierenden, pulsierenden Soundvulkan, der ebenso jäh implodiert, wie er entstanden ist.

Schade eigentlich, denn auch „Practice Whilst You Preach“ geht die Puste aus, im Gegensatz zum atemlos predigenden Zac Lawrence.

„Mere Mortal“ setzt auf das Bandkollektiv. Der chorale Refrain, gestützt vom Einsatz der Bläser, tänzelt auf dem marschierenden Drumtakt und den zupfenden Basssaiten. Stete Tempiwechsel erhalten die Aufmerksamkeit bis der Chorus die Kehlen zum Mitmachen auffordert.

Das inspiriert auch „Auntie Christ“, die Gitarrenriffs zu polieren und im pustenden Einsatz der Bläser das große Ensemble aufzubieten. Schwerfällig zirkuliert der Titel im Sog von Lawrences Sprechgesang und erweist doch dem Album alle Ehre.

„Hysterical Strength“ mag wenig hysterisch sein, dafür umso vollgepackter und strotzender vor instrumentaler Vielfalt und homogenen Klangkulissen. Deadletter verstehen es, mit Finesse und Bravour verschiedene Genres zu kombinieren, ohne dabei das Ziel vor Augen zu verlieren – nämlich die atmosphärisch packende Dichte.

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