Die Sommernächte werden wieder kürzer, doch die Tageshitze weicht warmen Nächten. Für eben solche liefern Fade Evare mit „Welcome Back“ den passenden Soundtrack und zaubern dubby Electronic-Pop mit wandelbarem Gesang.
Schon das rhythmisch poppende, akustisch ploppende „Anymore“ wiegt sich in einer selbstbewussten Stimmlage, das nicht nur textlich den Drang vermittelt, sich sanft wiegend zu bewegen. Das erreicht schon beinahe meditative, aber zumindest entspannte Zustände, die sich durch das gesamte Album ziehen.
Das basslastig pulsierende „Send Me Out“ nutzt 80s Synthwave und sirenengleichen Gesang, um trotz kaum vorhandener Dynamik eine sog-gleiche Wirkung zu erzeugen.
Das Trio aus Melbourne versteht sich darauf, atmosphärische Dichte zu erzeugen, was am besten bei „Yamaha Dreaming“ gelingt, einem echoverzerrten Electro-Piano-Track, der seine Inspiration aus dem geschäftigen Hanoi zieht. So weichen melodische, hallende Dubpassagen immer wieder flirrenden Synthesizern.
„Sky Writing“ wiederum zeigt mit Hip-Hop-Beats unterlegten Dream-Pop, eine Kombination, die mit der weichen Singstimme von Mira Holleman erstaunlich gut funktioniert. Das erinnert stellenweise an die frühen Massive Attack, wobei sich die Band meistens noch mit The xx vergleichen darf.
„Keep Talking“ sorgt mit lässigen Beatarragenements und hypnotischem Chorus für Stimmung und scheut sich nicht davor, eine Jazzbläsersequenz einzubauen, um so einen urbanen Sound zu zelebrieren, den die Australier*innen in der Form leider kein zweites Mal finden.
Dafür bietet „Everywhere I Go“ mit seinem Spoken-Word-Intro auf reduziertem Dubsound Untermalung fürs Lagerfeuer.
Das folgende „10 99“ begrüßt, Stunden später, gemeinsam den Sonnenaufgang mit melodisch seichtem Elektro-Pop, das sich als überlanger Instrumentals-Kit präsentiert, nur kurz unterbrochen von einem Belanglos-Talk.
Doch „As The Eagle Flies“ kann die Aufmerksamkeit zurückgewinnen. Erneut sorgen 80s Downtempo-Wavesounds auf Dubbasis für eine moderne Variation des The-Police-Sounds, getragen von hochtönendem, weiblichen Gesang und einem eindringlichen Chorus. Das ist kurzweilig, verbleibt durchaus länger im Gehör und wird sicher so manche Sommerplaylist bereichern.
Ob „Drifting Away“ dasselbe gelingt, bleibt abzuwarten, stimmungsvoll ist der minimalistische Track aber allemal. Den Spannungsbogen mit Piano und Synthesizer spannend, verpassen Fade Evare den erlösenden Moment doch und driften tatsächlich ins Off.
„Welcome Back“ ist ein mild gestimmtes, von Elektro-Pop und Dubsound bestimmtes Album. Groovende Tracks wie „Keep Talking“ wechseln sich mit Downtempo-Ohrwürmern wie „As The Eagle Flies“ ab.
Um dauerhaft auf Rotation zu bleiben, vermitteln Fade Evare aber dann doch zu wenig Eigenständigkeit im Sound. Für die lauen Sommerabende vermögen sie aber allemal gute Begleiter zu sein.
