Nach Jahren zwischen walisischem Avant-Pop und kornischem Sprachaktivismus geht Gwenno Saunders einen neuen, internationaleren Weg – und bleibt doch ganz die alte.
Ihr viertes Soloalbum „Utopia“, ist das erste, auf dem sie zum Großteil in englischer Sprache singt. Damit schafft sie zweierlei: Ihre immer schon emotional tiefschürfenden Stücke wirken weniger mystisch, transportieren dafür eine allgemeingültige Schönheit.
Die Öffnung, raus aus den marginalisierten Sprachen ihres bisherigen Oevres, erlaubt ihr eine Leichtigkeit im Songwriting, die formvollendete Indie-Pop-Songs abwirft und gleichermaßen den Mut für eine Direktheit in den Texten erkennen lässt.
Saunders wurde in Cardiff geboren, als Tochter eines kornischen Dichters und einer walisischen Sprachlehrerin, und hat sich mit „Y Dydd Olaf“ (2014), „Le Kov“ (2018) und „Tresor“ (2022) einen Namen als experimentierfreudige, sprachbewusste Künstlerin erspielt.
Auch wenn „Utopia“ im Kern dieser Linie treubleibt, wirkt das Album deutlich zugänglicher und zugewandter als zuvor – mit am Schönsten in „Dancing On Volcanoes“. Gwenno beschwört hier auf emblematische Weise nächtliche Clubmomente, die sich ins Freie wünschen. Dass sich die Gitarren dabei an Johnny Marr und The Smiths anlehnen, macht die Sache noch besser.
Diesem ersten Highlight folgt der Titeltrack „Utopia“, der einer elektronisch folkloristische Wanderung durch eine utopisch schöne Welt gleicht. Mit loungigen Vibes erzählt Gwenno ihre Version von „Wie wir leben wollen“. Dabei wechselt das Stück wunderbar angenehm zwischen Vorder- und Hintergründigem.
Mit „Y Gath“ (Walisisch für „Die Katze“) kommt sie dann zwischenzeitlich zurück auf ihr kulturelles Fundament. Der vergleichsweise traditionell anmutende Song, gepaart mit Passagen auf Kornisch, verankert das Album letztlich weiterhin in ihrer Mehrsprachigkeit, ohne sie überzubetonen.
Denn auch musikalisch wagt Gwenno mehr Kulturübergreifendes und oszilliert zwischen Psychedelia, Synthpop, krautigen Rhythmen und Ambient-Folk und schafft damit Klangräume, an die man immer wieder gerne zurückkehrt. Chapeu, Gwenno!
