Die Band shame hat gestern ihre neue Single „Quiet Life“ inklusive Musikvideo veröffentlicht. Der Song ist ein Vorgeschmack auf ihr kommendes Album „Cutthroat“, das am 5. September 2025 via Dead Oceans erscheint.
Es klingt zunächst wie der Slogan für eine neue GoKart-Bahn: „Eine Spritztour für unerfahrene Fahrer. Für alle, die einfach nur schnell fahren wollen, weil es Spaß macht.“ Doch was hier wie Werbung wirkt, ist tatsächlich die Selbstbeschreibung des neuen Albums „Cutthroat“ von shame. Eine Platte, die sich, trotz aller Tempo-Metaphern, als alles andere als spaßige Leichtkost entpuppt.
Bereits mit ihrem vorherigen Album „Food For Worms“ legte die Truppe laut MusikBlog-Review ein kraftvolles, vielschichtiges Werk vor, das durch subtile, zeitgeistnahe Songwriting-Ebenen besticht und Shame als unverkünstelte, tiefgründige Band zeigt, die sich keiner Kategorie beugen.
Mit „Cutthroat“ kündigt die Post-Punk-Band aus Süd-London ein Werk an, das so roh und kompromisslos daherkommt wie ein ungebetener Gast auf einer Party, zumindest, wenn man der eigenen Beschreibung glaubt.
Die zweite Single „Quiet Life“, die dem bereits erschienenen Titeltrack folgt, macht klar: shame haben einiges im Tank und sie treten ordentlich aufs Gaspedal.
Musikalisch überrascht „Quiet Life“ mit einem Rockabilly-Vibe, der sich irgendwo zwischen The Cramps und The Gun Club einpendelt. Schnell, schmutzig, und verdammt lebendig.
Frontmann Charlie Steen erzählt darin von einer Person, die in einer toxischen Beziehung gefangen ist, geplagt von innerem Stillstand und äußeren Konflikten. Es geht um emotionale Sackgassen, lähmende Routinen und das Verharren in dysfunktionalen Strukturen. Keine leichte Kost, verpackt in rasantem Drive.
Produziert wurde das neue Album von keinem Geringeren als Grammy-Gewinner John Congleton, der bereits mit Künstlern wie St. Vincent und Swans gearbeitet hat. Unter seiner Regie präsentiert sich „Cutthroat“ als bissiges Statement gegen Feigheit, Heuchelei und Egoismus. Themen, die shame mit beißendem Humor und einer gehörigen Portion gesellschaftlicher Wut aufgreifen. Laut Steen geht es um Feiglinge, Heuchler und Arschlöcher.
Doch nicht nur inhaltlich, auch klanglich zeigt sich die Band aufgeschlossen wie nie. Gitarrist Sean Coyle-Smith lässt elektronische Einflüsse einfließen, die dem Sound eine neue Tiefe und Vielseitigkeit verleihen.
Auch visuell setzen shame ihre Vision konsequent um: Das Musikvideo zu „Quiet Life“, inszeniert von Pedro Takahashi (bereits 2020 verantwortlich für das Video zu „Water In The Well“), zeigt die Band in einem heruntergekommenen Büro, wütend und frustriert in Arbeitskleidung. Zwischendurch finden sie dennoch Zeit, den neuen Song im Clip zu performen.
Mit „Cutthroat“ untermauern shame ihren Status als eine der aufregendsten Gitarrenbands der Gegenwart. Sie sind laut, sie sind unbequem, und sie haben keine Angst davor, auch dahin zu gehen, wo es weh tut. Ein Album wie ein riskantes Überholmanöver, mit ordentlich Gummi auf dem Asphalt.
