Mit „The Passionate Ones“ präsentiert Marcus Brown alias Nourished By Time mit „The Passionate Ones“ ein zweites Album, das sich anfühlt wie ein Manifest: poetisch, politisch, persönlich und zutiefst gegenwärtig.

Entstanden zwischen Baltimore, London und New York, erzählt „The Passionate Ones“ in 12 Tracks vom Überleben im Spätkapitalismus, vom Scheitern großer Träume, der Kraft von Liebe und der unerschütterlichen Sehnsucht nach Selbstbestimmung.

Nourished By Time entwirft hier keine einfache Protestplatte, sondern eine flirrende Mischung aus Soul, R&B, Synth-Pop, Gospel und Punk, und ist dabei roh produziert, klanglich überbordend, emotional entwaffnend.

Brown, der sich noch vor wenigen Jahren mit Minijobs über Wasser gehalten und in elterlichen Kellerräumen Musik gemacht hat, hat mit „The Passionate Ones“ sein bisher persönlichstes und musikalisch ambitioniertestes Werk geschaffen.

Und obwohl Marcus mittlerweile von seiner Kunst leben kann, bleibt die Musik durchzogen von den Erfahrungen eines Lebens zwischen Lohnarbeit und Liebesfrust.

Auf „9 2 5“ klingt das wie ein resigniertes Tagebuch eines Kreativen im Hamsterrad, auf „Jojo“, eine Zusammenarbeit mit Tony Bontana, wie ein innerer Monolog eines Mannes, der zwischen Selbstzweifel und Suchtbewältigung pendelt.

Anstatt sich nur mit persönlichen Themen zu beschäftigen, richtet sich der Blick von Nourished By Time immer wieder auch auf die Welt um ihn herum. So bemerkt er auf dem treibenden Stück „Baby Bay“, dass ihn die Fakten verfolgen, während die Welt sich einfach weiterdreht. Auch spielt er auf die Bombardierung Palästinas an.

Der politische Anspruch ist untrennbar mit seiner künstlerischen Haltung verwoben: Die Auseinandersetzung mit Klassismus, Unterdrückung und Identität verläuft bei Nourished By Time nie dogmatisch, sondern durchdringt seine Musik subtil, oft in einer einzigen Zeile oder durch ein verstimmtes Gitarrenriff.

„Max Potential“ und „Tossed Away“ sind dabei vielleicht die eindrücklichsten Beispiele dafür, wie Widerstand und Melancholie bei Nourished by Time Hand in Hand gehen.

Was „The Passionate Ones“ jedoch wirklich besonders macht, ist Browns Fähigkeit, das Politische im Intimen zu zeigen, und umgekehrt. Seine Stimme wechselt zwischen Bariton, Falsett und zerbrechlichem Sprechgesang, er schichtet Vocal-Spuren übereinander wie Gedankenfragmente im Delirium.

Dabei verliert er nie die Balance zwischen Pathos und Realität. Das Album predigt nicht, es fragt. Es verklärt nicht, es erinnert. Es tröstet nicht, aber es zeigt Auswege, ohne sich dabei als Aussteiger zu inszenieren.

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