Selbstreflektion ist wichtig. Das hat auch Elizabeth Stokes, Sängerin der neuseeländischen Indie-Rocker The Beths, erkannt und sich mit einer alten Remington Schreibmaschine zurückgezogen, um sich selbst, ihre Gedanken und das ganze Leben an sich zu sortieren. Zehn neue Titel wurden daraus, rund ums Thema Umwege im Leben – passend dazu der Albumtitel „The Straight Line Was A Lie“.

Ohne Umwege bleibt sich das Quartett auch beim Sound treu. Nach dem gefeierten 2022er Release „Expert In A Dying Field„, bleiben die melodischen Gitarren und die Folkanleihen vorhanden. Der ironisch bissige Unterton weicht jedoch dem Realitätshammer, wie es etwa das knackig rockende „No Joy“ auf den Punkt bringt.

Etwas weniger direkt resümiert der Titeltrack „I thought life was getting better, but I’m back to where i started“. Dargereicht mit fuzzy Riffs und eingängigem Refrain, startet der Albumopener sofort die körpereigene Karaokeanlage und steigert die Stimmung.

Weitermachen, auch wenn es mal nicht so läuft, das ist die Devise. Auch, wenn man nur „Mosquitoes“ Futter ist. Die Downtempo-Rocknummer weicht der sanften Stimme von Elizabeth Stokes nicht von der Seite, mäandert aber im wiegenden Akkordschwof, bis sich doch mal ein Stromgitarrensolo einstellt.

Deutlich beschwingter erweist sich „Metal“. Harmonie und ein stimmliche Höhenlagen erklingender Refrain runden diesen fröhlich pluckernden Song ab.

Auf harmonische Akustik getrimmt, verweilt auch „Til My Heart Stops“ im Reigen der Percussioninstrumente. „I wanna ride my bike in the rain“ wird zum sinnstiftenden Lebensinhalt, wenn sich Stokes‘ harmonischer Sprechgesang vom aufbegehrenden Einsatz des Schlagzeugers, dem verzerrten Saitenzurren und dem tonal mehrstimmigen Chorus, nicht aus der Ruhe bringen lässt.

„Take“ taktet sich arhythmisch polternd ein, wuchtet sich mit Stakkato-Drums und sägenden Gitarrenriffs in den Indie-Rock-Olymp, verweilt zwischenzeitlich in stimmlicher Melancholie, um im Puls des titelgebenden Backgroundgesangs zu explodieren.

Das zerfließt anschließend im melodischen „Roundabout“, das mit zupfenden Saiten – frohgemut hüpfend – zwischen Elizabeths eintönig hohem Gesang und dem mehrstimmigen Chorus hüpft.

„Ark Of The Covenant“ ergibt sich 80er Jahre Synthieklängen und ist doch dringlich genug, um den verstärkerverzerrten Saitenklängen ein gewichtiges Outro zu verpassen.

Die „Best Laid Plans“ erweisen sich zumindest als hinterfragenswert, was die Finanzierung betrifft ( „take my money“ ), kombinieren aber Keyboard-Akrobatik mit einem himmlischen Refrain.

The Beths sinnieren über die Phasen des Lebens und die Steine, die man dabei aus dem Weg räumen muss. Das neuseeländische Quartett bleibt dabei seinen Wurzeln treu, verliert sich aber auch in Balladen, in denen Elizabeth Stokes‘ – auf Albumlänge wenig abwechslungsreicher – Gesang nicht immer zu tragen vermag.

Gut, dass Leadguitarrist Jonathan Pearce den Powerschalter der Stromgitarren zum rechten Zeitpunkt findet, dabei im Zusammenspiel mit Drummer Tristan Deck den Takt angibt und Elizabeth Stokes das Mikrofon und die Remington Schreibmaschine überlässt.

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