Die letzte Woche im August dient vielen Supermärkten dazu, die ersten Lebkuchen und Schoko-Nikoläuse in die Regale zu stellen. Das schwedische Quintett The Hives hat seinen Nikolaus praktischerweise auch schon zur Stelle. Auf „The Hives Forever Forever The Hives“ zieht Lead-Gitarrist Niklas ‚Nicholaus‘ Almqvist wieder ordentlich die Garage-Register.
Die sprachlichen Bilder sorgen dabei für eine prägnante Kulisse der fett nach vorn bretternden Lieder. Da wird der rote Teppich ausgerollt, die Gefahren-Zone beschritten, jemand klemmt in einem elektrischen Stuhl, Leute brüllen und schreien, bis ihre Gesichter blau anlaufen, und immer wieder dreht sich die Scheibe um Machtverhältnisse und darum, sie zu unterlaufen.
„Verbeugt euch vor dem Bürgermeister des Nichts“, ätzt Per, der Bruder des Nikolaus, genannt Howlin‘ Pelle, in „Paint The Picture“ und malt damit gleich selbst noch so ein Anarcho-Bild aus dem Reich des absurden bis abstrusen Humors.
Das schwungvolle Album ist ein mitreißendes Plädoyer für die Freiheit, die manchmal schon dort beginnt, wo man einen Schalter im eigenen Kopf umlegt. Musik könne dabei helfen, meinen die Jungs aus Fagersta, einem ehemaligen Knotenpunkt für Stahlproduktion und Zulieferer.
Werte der Arbeiterklasse waren hier seit jeher stark, und das merkt man der Gruppe in ihren hymnischen Statements für Widerstand, Rebellion und einen augenzwinkernden Blick auf Regeln und Religion an. Zeilen wie „Can’t call god on the phone“ vermählen sich vortrefflich mit der harmonischen Vehemenz des Ensembles.
Inmitten der Subversion und dem Bekenntnis dazu, den Weg des größtmöglichen Widerstands einzuschlagen, da bringt die Combo im 33. Jahr ihres Bestehens beste Schlagzeug-Kaskaden zu Gehör (wie in „They Can’t Hear The Music“).
Oder sie zaubert Momente, auf die das Who’s Who der Hardrock-Gründerväter stolz sein müsste, etwa Boz Burrell, Bassist von Bad Company, oder Phil Lynott von Thin Lizzy oben im Rock’n’Roll-Himmel. Auch bei lebenden Legenden wie Randy Bachman und Blue Öyster Cult ging man offenbar in die Lehre.
Natürlich ist es mittlerweile eine Binsenweisheit, dass The Hives (live genauso wie im Studio) kräftig zur Sache gehen und keineswegs zartbesaitet auftreten. Zutreffend ist diese Feststellung trotzdem, auch wenn sie eben alt ist und die Musiker sich somit treu bleiben.
Verglichen mit dem Vorgänger-Album „The Death Of Randy Fitzsimmons“ von 2023 geht die Band dieses Mal wirklich aufs Ganze, mit jedem Track. Dabei vermischt sich Rotzigkeit mit filigranen Details hinsichtlich Riffs, Rhythmik und Lyrik.
Die vier Vorab-Singles sind bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange, sondern markieren den unteren Rand der Qualitäts-Skala. Der Rest des Albums klingt nämlich noch weitaus stärker.
Zugleich liefern The Hives ein abwechslungsreiches Werk mit einer klaren Punk-Haltung und Schrammel-Ästhetik als rotem Faden.
