Billy Corgan ist groß gewachsen und denkt auch, sein musikalisches Vermächtnis betreffend, in größtmöglichen Dimensionen. Mit seinen Smashing Pumpkins ist er seit den Neunzigern nicht mehr aus der Ruhmeshalle des Alternative-Rock wegzudenken.

Der Band-Vorsitzende ließ ab 2006 ohne die Urmannschaft durchwachsene Ausgaben folgen, bis sich mit dem etwas überambitionierten Dreiteiler „ATUM“ und der sukzessiven Rückkehr alter Weggefährten ein neuer Höhenflug ankündigte. Mit „Aghori Mhori Mei“ gelang schließlich ein derart überzeugendes Spätwerk, dass alle Kritiker in Erstaunen versetzte.

Mit den neuen Platten im Gepäck tourte der Zampano – wiedervereint mit seinen Kollegen James Iha und Jimmy Chamberlin – fortlaufend um die Welt, erst im 2024er Frühsommer in der ausverkauften Wuhlheide gefeiert, war gestern die Spandauer Zitadelle der Platz, an dem eines ihrer drei Deutschlandtermine des laufenden Jahres stattfand.

Bevor die Smashing Pumpkins antraten, nutzte der inzwischen auch schon zur gestandenen Indie-Szene zählende Max Gruber die Gunst der Stunde, um mit Drangsal zwischen Shoegaze, Funk und Drama das aktuelle Album „Aus Keiner Meiner Brücken Die In Asche Liegen Ist Jemals Ein Phönix Emporgestiegen“ vorzustellen.

„What`s Up“ fragte James Iha kurz vor 20:00 Uhr, während sich sein Chef Billy Corgan ein Modell seines ramponierten Handwerkszeug umschnallte und die ersten Akkorde von „Glass‘ Theme“ durch die Boxen schickte, um folgend eine „Heavy Metal Machine“ anzuwerfen, die bis zum Ende unter Höchstlast arbeitete.

Neben Nummern aus der Machina-Serie und dem aktuellen Werk, fielen in den kommenden zwei Stunden Hits von der Bühne wie reife Früchte von den Bäumen, schließlich galt es dieser Tage auch, das 30jährige Jubiläum der Großtat „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ zu feiern, auf dem auch die meisten Beiträge auf der Setlist zuhause waren.

„Today“ jagte eine erste Nostalgiewelle durch die Menge, ein „Bullet With Butterfly Wings“ schoss in die Nacht, „1979“ tuckerte melancholisch durch adeloszente Erinnerungen, „Disarm“ ließ die Glocken melancholisch klingen, das majestätische „Tonight, Tonight“ gab dem Konzert einen erhabenen Moment.

Billy Corgan präsentierte sich – kein Witz – durchgängig gut gelaunt, berichtete, den Regen in Berlin persönlich vertrieben zu haben, schüttelte sich für „Porcelina Of The Vast Oceans“ das mutmaßlich längste und obsessivste Solo des diesjährigen Citadel Music Festival aus dem schwarzen Ärmel und glänzte mit dem schwelgerischen Vortrag von Berlins Top Gun-Evergreen „Take My Breath Away“.

Kein Referenzsong – bei deren Entstehung der Legende nach die demokratische Meinungsvielfalt durch den Band-Vorsitzenden außer Kraft gesetzt wurden – fehlte im Programm, der Bass von Jack Bates wummerte, angetrieben vom Schlagzeug – was Chamberlin vermutlich mit verbundenen Augen bedienen könnte – nagelten die vor Spielfreude strotzenden Corgan, Iha und eine großartige Kiki Wong eine Gitarrenwand nach der anderen zusammen.

„…and God is empty just like me“ brüllt „Zero“ kurz vor Ultimo in die Nacht, in Sachen positiver Emotionen stand die Anzeige der Fans, die diesen Auftritt der Smashing Pumpkins dankbar bis euphorisch anahmen, wohl eher auf „Full“.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Album

Mika – Hyperlove

Video

Savages – Zwei neue Songs

News

Arctic Monkeys – Opening Night – Neue Single

Login

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke