Mit „Forever“ bringen Glyders aus Chicago das Lebensgefühl früherer Zeiten zurück. Und kämpfen tapfer an gegen einen Zeitgeist, der geprägt ist von musikalischem Fast Food. Das Ergebnis: Ein Album mit dem gewissen Etwas.
Wer hat nicht schon zu „The Piper At The Gates Of Dawn“ von Pink Floyd die Wäsche gemacht? Oder zu „Waiting For The Sun“ von The Doors die angebrannten Reste vom Pfannenboden gekratzt? Oder erlebt, wie beim Chorus von King Crimsons „21st Century Schizoid Man“ auch der eigene Erdapfel in die Kloschüssel plumpst?
Es ist nun mal so, dass Psychedelic-Rock schnell zum Hintergrundgedudel verkommen kann. Frühere Hörer*innen genossen diese Musik in langen Sessions auf der heimischen Couch. Heutige ADHS-gebeutelte Konsumenten gönnen sich psychedelische Gitarrenriffs nicht selten als Soundtrack zu einem Leben auf der Überholspur, irgendwo zwischen Schreikrampf im Büro und Tränenmeer hinterm Autosteuer.
Die Generation Spotify möchte Musik schnell, eingängig und unter drei Minuten pro Song. Da kommt das Album „Forever“ in etwa so gelegen wie Omas Stricksocken an Weihnachten. Aber vielleicht ist diese Musik gerade deswegen so zeitgemäß.
In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne der Endnutzer*innen das Niveau kokainsüchtiger Eichhörnchen erreicht hat, sehnen sich paradoxerweise immer mehr Leute zurück nach der guten alten Zeit. Einer Zeit, in der Lieder noch länger als zwei Sekunden waren.
An diese goldene Ära des Psychedelic-Rock erinnert „Forever“ mit einer Dringlichkeit und Konsequenz, die Lust auf mehr macht. Die Songs auf dem zweiten Album der Amerikaner klingen wie ein träumerischer Spaziergang durch einen Nebel aus Gras und Körpergeruch und gemahnen an ein Lebensgefühl, in dem Leute noch Zeit hatten.
Diese Zeit nehmen sich die Musiker aus Chicago mit einer Coolness, die man so auch als Soundtrack für stylische Hitserien wie „The Bear“ vermutet hätte. Es scheint, dass die windy city im Norden der USA neben grandiosen Fernsehserien auch heute noch Bands mit dem gewissen Etwas hervorbringt.
