Der Herbst mit seinen letzten warmen Sonnenstrahlen weicht langsam dem tristen Grau. Zeit für Heimeligkeit, Entschleunigung und die Musik von Lost In Lona. Das Folk-Pop-Duo aus der Schweiz, bestehend aus Lidia Beck und Konstantin Aebli, liefert mit seinem Zweitwerk „The Killer“ den idealen Soundtrack für beschauliche, melancholische Selbstreflexion.

So schön wie beim Titeltrack etwa, der sich im Percussionregen mit Selbstzweifeln plagt und doch mit einem verzauberten Refrain aufwartet. „I waste my life most of the time, I am the killer of my own crime“ sinniert Lidia Beck mit einer glockenhellen, an Phoebe Bridgers erinnernden, Stimme.

Wundersam harmonisch bleiben Gesang und Akustik im Ohr haften, durchdringen wohlig das eigene Denken und sorgen später mit stromunterstütztem Saiteneinsatz noch für verzerrte Ablenkung.

Reflektierend Geschichten und Gedanken in Songform bringen, das gelingt Lost in Lona in jedem der acht Songs auf „The Killer“. Schon auf Ihrem Erstlingswerk „Scared Like A Mother And Her Gun“, hatten sie keine Scheu vor den Untiefen des eigenen Seelenheils.

So kratzt zum Beispiel „Looking For“ am eigenen Unvermögen, sich festzulegen und mit Ablehnung umzugehen. Dabei lässt es folkig schnarrende Saiten an der Höhen erklimmenden, fast juchzenden Gesangsstimme abperlen.

Auf poppigere Rhythmen trifft man bei „Disappointing Eachotherm“, das sanft beschwingt mit bluesigen Stromgitarren zum Tanz lädt, dabei die Ablehnung der Vergangenheit von sich schüttelt und wenig später eine Ode an „Emily“ richtet.

Harmonisch akustisch schäkernd erinnert man sich an Momente einer Freundschaft, die wohl am Vertrauen und den vielen kleinen Dingen, die so schief gehen können, gescheitert ist. Dabei spielen hier die kleinen Klang-Gimmicks eine gewichtige Rolle, die der dahinplätschernden Akustik neue Facetten bieten, bevor der Titel in der letzten Minute die überbordenden Emotionen auf das Gitarrenspiel umlegt.

Die Sonnenseiten des Lebens kennen Lost In Lona zwar, aber sie wissen, wie man diese Momente besonders auskosten kann. Nämlich, indem man vorher unter anderem auf „The Wrong Cards“ gesetzt hat. Das ist bitter und motiviert Lidia Beck zum eindringlichsten Einsatz des Albums.

Mit einer Prise Kate Nash in der sich hochschraubenden Stimme verarbeitet die Sängerin das emotionale Chaos des Nicht-Lösen-Könnens aus einer beendeten Beziehung. Dabei spart sie nicht mit Selbstkritik, um uns wiederum einen akustisch reduzierten, aber tief berührenden Gefühlsausbruch zu vermitteln, wenn sich die Tür final schließt.

„Mathilda“ umarmt uns wohlig mit dem bekannten Wogen in Lidia Becks Stimme, ihren zaghaft gesprochenen Worten, die – begleitet von Akustik und klimpernden Klängen – so einladend sind.

Die Stimmung zieht sich durch „Hold On“, das den erwähnten Klangeffekten neues Leben einhaucht und seine Downtempo-Rhythmik dem Schlagzeug verdankt.

Der Vorhang fällt mit den molligen, schweren Klängen von „The Movies“. Mit angehaltenem Atem bittet Lidia Beck zum letzten Tanz des Abends. Eindringlich und doch so filigran filetiert sie Worte, Hoffnungen und erwartete Enden in einem Refrain, der neben dem Titeltrack zum stärksten Moment von „The Killer“ gehört.

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