„Ist das nicht diese traurige portugiesische Musik?“ Ja und nein. Gewisse Anleihen an den portugiesischen Musikstil Fado lassen sich bestimmt aufzeichnen. Aber auch, wenn Sessa nicht gerade vor Verzückung glüht, ist „Pequena Vertigem de Amor“ eine freudige Angelegenheit.
Die portugiesischen Texte erschweren den Zugang (für alle, die die Sprache nunmal nicht sprechen), man kann aber auch ganz gut die Ohren vor ihnen verschließen und die Musik fühlen. Was dabei jedoch verloren geht, sind einige Einflüsse aus Sessas Leben.
Der in São Paulo ansässige Musiker, bürgerlich Sérgio Sayeg, war die vergangenen Jahre persönlich ausgelastet: Nach dem Vorgängeralbum „Estrela Acesa“ (2022) wurde er zum ersten Mal Vater. Eine Erfahrung, die zur Entstehung von „Pequena Vertigem de Amor“ beitrug und sich in lockerer Introspektion spiegelt.
Seine samtige Stimme und sein zartes Gitarrenspiel sind Sessas Waffen der Wahl und überzeugen in jedem Song. Als heimlicher Star des Arrangements sticht jedoch die Percussion heraus.
Sowohl das verzahnte Ensemble in „Nome de Deus“, die immer wiederkehrenden kurzen Schellen und Soundeffekte, als auch das verhaltene Schlagzeug, das die Lücken in fast allen Songs füllt – sie alle verleihen den Songs ihre Farbe, und erinnern dabei an Sessas brasilianische Herkunft ohne dabei stumpfes Salsa-Flair zu transportieren.
Aber in diesen kleinen Klangwelten gibt es noch so viel mehr zu entdecken. Die Bassmelodien gehören wohl zu den sexiest des Jahres, und gelegentlich entführen Klavier und Saxophon die Hörer*innen zu jazzigen Ausflügen. Der Frauenchor, mit dem Sessa auch live auftritt, reichert alles noch mit butterweichen Harmonien an.
Auch, wenn manche Songs versuchen auszubrechen und vorzupreschen, bleibt die Hektik niedrigschwellig, der Grundmodus locker und soft. Sessa baut in einer knappen halben Stunde eine kleine, verletzliche, akustische Welt, die sich wohlwollend ans Ohr schmiegt – auch wenn man kein Wort davon versteht.
