Wenn eine Band einen Soundtrack beisteuert, ist das als alleinstehendes Album meist schwierig zu bewerten und funktioniert nur im Filmkontext wirklich gut. Speziell dann, wenn der Soundtrack von den britischen Postpunkern IDLES eingespielt wird, die mit Ihren sozialkritischen Texten irgendwo zwischen den Sleaford Mods und Future Of The Left für astreines, britisches Rebellentum sorgen.

Da könnte man vermuten, dass diese mit ihrem experimentiellen, industrial-lastigen Sound einen Guy-Ritchie-Film akustisch aufwerten, doch wurde es Darren Aronofskys neuestes Werk „Caught Stealing“, dessen Lieblingsband die Idles sind.

Das knallharte Gangsterdrama mit Austin Butler und Zoe Kravitz als Hauptdarsteller*innen erhielt sehr gute Kritiken und dürfte sich in Aronofskys „The Whale“ und „The Wrestler“ einreihen.

Gemeinsam mit Rob Simonsen, der unter anderem auch den Sound von „The Whale“ komponierte, machten sich IDLES daran, akustisch das Gesehene zu untermalen.

So sind die meisten der enthaltenen Titel auch von Simonsen komponierte, reine Instrumentals, die mal atmosphärisch Spannung erzeugen, wie bei „Walk / Don´t Walk“ oder mal mit progressiven Klangeffekten wüst durch die Rhythmik stampfen, um bei „Kim’s Videos“ nonchalant experimentierfreudig einem Jazzansatz zu frönen.

Den klassischen Ansatz sucht „Loisaida“, das sein Heil in der Percussion sucht, während „Flushing, Queens“ eher auf Radau steht und dabei einen tödlich präzisen Akkord nutzt, um einen Wall an Soundeffekten aufzubauen, den „Blessings And Successes“ in einem elektronischen Lo-Fi Dub verschwinden lässt.

Als Album gehört, wirken die Titel als Ganzes erstaunlich homogen, aber werden ihren Backgroundcharakter nicht los. Wenn der walisische Sänger Joe Talbot mal das Mikro in der Hand hält, wird man auch nur eher mittelmäßig gut bedient.

„Doom“ enerviert mit seinem harten Rhythmus und kakophonischen Klangeffekten sowie dem Mantrasprechgesang von Talbot, der auf Rachefeldzug doch nicht so recht in Gang kommt.

Als Kommentator einer Szenerie versteht er sich in „Cheerleader“, das mit militärischer Taktpräzision die U-Bahn ordentlich leerfegt. Dazu tragen sicher auch die verzerrten Synthesizer und die konsequent manische Atmosphäre bei, die zumindest Aufmerksamkeit erzeugt.

Beschwörend schwurbelt „Coper“ auf gedärm-massierenden Frequenzen durchs Gehör, bevor das schräge „Police & Thieves“, einem Cover des jamaikanischen Musikers Junior Murvin, den Tiefpunkt der britischen Postpunkära einläutet:

Joe Talbot klingt hier, als wären diverse Opiate in seiner Blutbahn. Ein lustlos hingerotztes Riff und ein wenig Klingeling aus der Drumsektion halten den Titel dürftig am Leben, man hätte ihn aber auch in der Reggae-Landschaft, aus der man ihn gezogen hat, liegen lassen können.

So verbleibt als hörbares Highlight lediglich der „Rabbit Run“, einer der vier von IDLES selbst geschriebenen Songs, sowie die nachfolgenden Remixe desselben Titels. Ein schnarrender Basslauf bohrt sich unaufhörlich ins Gehör, das von Talbots Wortschwall bereits weichgeklopft wurde. Der Song eskaliert energetisch mit schnarrenden Riffs und knirschenden Effekten, nur um sich im pulsierenden Drumbeat wieder abzuregen.

„Caught Stealing (The Original Motion Picture Soundtrack“ muss man gesondert betrachten. Mit dem bisherigen Schaffen von IDLES hat es zwar das Postpunkgerüst gemeinsam, die vielen Instrumentals haben sich aber bewusst im Hintergrund des Films einzuordnen.

So darf sich der geneigte Hörer seine eigene EP aus den enthaltenen Titeln zusammenstellen, auf denen Joe Talbot in gewohnter Manier durchs Gehege wildert.

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