St. Vincent hat diese Woche einen Auftritt in der US-amerikanischen Talk-Show“ The Late Show with Stephen Colbert“ hingelegt. Für deren neu eingeführte Rubrik „Under The Covers“ spielte sie eine Neuinterpretation des David-Bowie-Songs „Young Americans“.
Ganz neu ist diese Cover-Version allerdings nicht: Wie die Singer/Songwriterin im vorangestellten Kurz-Interview erwähnt, hatte sie den Song bereits 2023 beim Benefiz-Konzert „Love Rocks“ gespielt. Das Original stammt von Bowies 1975 veröffentlichtem, neunten Album „Young Americans“.
Der Auftritt kombiniert einen entspannten Rock-n-Roll-Charme mit druckvollem Vortrag, der in puncto Exzentrik durchaus mit der Vorlage konkurrieren kann. Über kleinere stimmliche Ausbrüche gegen Ende steigern sich Sängerin und Band dann doch noch über den Klassiker hinaus (und das ganz ohne Saxophon-Solo).
Gegenwart und Vergangenheit treffen bei St. Vincent, die bürgerlich Anne „Annie“ Clark heißt, auf kuriose Weise zusammen. So wurde die Textzeile “Do you remember president Nixon” in „Do you remember president Biden“ umgeschrieben, Mark Guiliana, der auf Bowies letztem Album „Blackstar“ von 2016 Schlagzeug spielte, sitzt nun für „Young Americans“ am Schlagzeug, und im Outro spielt Clark noch auf einen weiteren Song ihres Idols, „I’m Afraid Of Americans“, an.
Auf die Frage, von welchen Künstler*innen sie gerne gecovert werden würde, hat Clark weitere musikalische Inspirationen verraten: Die Neo-Soul Sängerin Erykah Badu, die Rapperin Doechii und die mittlerweile inaktive Proto-Punk-Band The Slits.
Ein würdiger Auftritt also zur Premiere des neuen „Under The Covers“-Segments, auf die hoffentlich weitere interessante folgen werden. Da Moderator Stephen Colbert über die Kamera auch Erykah Badu persönlich adressierte und zur Kooperation mit St. Vincent animieren möchte, wird vielleicht sogar aus dieser Wunschvorstellung etwas.
Clark hatte vergangenes Jahr ihr siebtes und bisher letztes Studioalbum „All Born Screaming“ veröffentlicht, das laut MusikBlog-Review „unabhängig von den Gästen, womöglich zum Destillat, zur reinsten, ursprünglichsten Form, die St. Vincent hergibt[, gemacht wurde]. […] So oder so bleibt St. Vincent auch in ihrer Forschheit eine der größten Avant-Pop-Künstlerinnen unserer Zeit.“
Dieses Jahr war sie weiterhin am neuen Album des Talking-Heads-Frontmanns David Byrne, „Who Is The Sky„, beteiligt.
