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David Bowie – Blackstar

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So vehement er auch mystifiziert und ikonisiert wird, Bowie bleibt stumm. Er wird wieder in Jim-Jarmusch-Manier schweigen, zu seinem 25. Studioalbum „Blackstar“, das an seinem 69. Geburtstag erscheint, zu allen Interviewanfragen, zu den leidigen Live-Hoffnungen, zu den musealen Ausstellungen über ihn, deren Plakate in Berliner WG-Küchen aufgehängt gehören, will man kulturelles Stilbewusstsein beweisen.

Je korrekter sich David Bowie hinsichtlich seiner pseudo-religiösen, popkulturellen Anbetung auszeichnet, nämlich durch mediale Abstinenz, desto fanatischer glorifiziert man ihn. Wenn er heute – Gott bewahre – stürbe, Ozzy Osborne würde elegischere Tweets absetzen als neulich für Lemmy. Dabei bin ich nicht der Einzige, der bei einem musikkritischen, substanziellen Lackmustest konstatiert: Das letzte gute Bowie-Album? Verdammt lange her. Richtig lange her. Vielleicht mit viel Augenzudrücken „Earthling“ aus den Neunzigern, vielleicht noch strenger und länger zurückgehend, bis zu seinen ganz großen Ewigkeitsplatten „Let’s Dance“, „Heroes“, „Young Americans“, „Ziggy…“. Nur einer dieser Klassiker fällt in meine Lebenszeit.

Bowies Reputation, schaut man auf den nackten Ertrag seit langer langer Zeit, ist höher als sein tatsächliches musikalisches Niveau. Mit derlei Feststellungen hat man sich in der Vergangenheit erstaunlich viele Feinde gemacht, in der sonst so Ikarus-Geschichten-süchtigen Öffentlichkeit. Die Wege der Glorifizierung scheinen unergründlich. Vor allem sein Comeback-Album, „The Next Day“, nach einer guten Dekade Funkstille, nährte doch Zweifel ob der Richtigkeit der Aufmerksamkeitsliga, in der man Bowie noch immer spielen lässt.

Umso erfreulicher, dass wir mit „Blackstar“ die Zeiten der schnöden Reminiszenz an die eigene glorreiche Vergangenheit verlassen haben. David Bowies neues Album ist eine richtig schöne Kehrtwendung einer Entwicklung, die ich als ungut bezeichnen würde. „Blackstar“ wagt etwas, „Blackstar“ ist experimentell, „Blackstar“ geht Risiken ein, „Blackstar“ ist strange. Und wenn einer Strangeness kann, dann Bowie.

Zum Glück haben wir Bowies dekadenlangen partner in crime und Producer Tony Visconti, quasi sein Öffentlichkeitsvertreter: Alles, bloß nicht „Rock’n’Roll“ wollte man machen. Check. Man habe sich viel von Kendrick Lamar und seiner Hip-Hop-Erweiterung, die die aufbrechende Struktur des Jazz nutzt, inspirieren lassen. Check.

Schön, wie verschiedene Rhythmen im Titelsong nebeneinander herpoltern und David Bowie wirr den Ratten fangenden Messias mit ISIS-Anleihen gibt, zehn Minuten lang, weil iTunes keine Singles über zehn Minuten erlaubt, der Track war mal zwei Minuten länger. Statt „Thanks, Obama“, sollte „Thanks, Apple“ ein Meme und Hashtag werden.

Jazz, genauer, dessen verworrene Struktur, beseelt Bowies 25. Studioalbum durch und durch. Das Saxophon dominiert gegenüber der Gitarre. Das Schlagzeugspiel ist ganz formidabel und klug räumlich produziert. Die Lyrik, die wirkungsmächtige Poesie der alten Pop-Ikonie, endlich wieder passend repräsentiert. Einen Hit hat das Werk nicht, auch wenn „Girl Loves Me“, „Lazarus“ und der Titeltrack hervorstehen, dafür ist es zu spröde.

„Blackstar“ ist strange, spröde, experimentell – und damit seit langem ein Gewinn in Bowies Oeuvre, leider fehlt dem Album der Appeal, den die anderen derzeitigen gelungenen Pop-Verkomplizierer, wie Lamar, Flying Lotus, Kamasi Washington, haben. Und genau hier darf man glorifizieren: Bei keinem anderen als David Bowie geht das aber völlig in Ordnung.

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