XANKY hat heute seine Debütsingle „Dad“ inklusive Livesession veröffentlicht. Der Song stammt von seinem Debütalbum „Small Moves“, das demnächst erscheinen soll.
Der Song erzählt vom Leben mit einem Vater, dessen Wesen sich mit jedem Drink verändert – eine Geschichte, die Timo Xanke alias XANKY nicht anklagend, sondern mit stiller Präzision nachzeichnet.
„Als Kind spürt man es lange, bevor man es versteht“, sagt er über den Track, der Folktronica-Elemente mit akustischen Gitarren und elektronischen Texturen zu einem Sound verwebt, der irgendwo zwischen Bon Iver und Sam Fender schwebt.
XANKY macht keine große Sache aus seinem Schmerz, und genau das verleiht „Dad“ seine Wucht. Seine Stimme bleibt kühl, fast nüchtern, während sie von Entfremdung und dem verzweifelten Versuch erzählt, einen Menschen zu verstehen, der sich selbst verloren hat. Es ist Indie für Erwachsene, die wissen, dass nicht jede Wunde heilt – manche lernt man nur, anders zu tragen.
Dass dieser Song überhaupt existiert, grenzt an ein kleines Wunder. Jahrelang versuchte sich Xanke im deutschen Pop-Business, schrieb für andere, produzierte nach Schema F und stand kurz davor, einen Vertrag zu unterschreiben, der ihm vermutlich die künstlerische Luft abgedreht hätte.
Dann kam der Ausstieg, gefolgt von Jahren des Suchens – und der Begegnung mit dem Atomic-Habits-Prinzip, das besagt, dass Veränderung nicht durch dramatische Gesten entsteht, sondern durch winzige, tägliche Handlungen.
Also setzte sich XANKY fortan jeden Tag mindestens 20 Minuten an sein Material. Klingt unspektakulär, funktioniert aber offenbar.
Die Entscheidung, auf Englisch zu texten, war zunächst eine Befreiung von der deutschen Songwriting-Konvention, in der man angeblich nur mit deutscher Sprache durchkommt. Freund*innen wie Philine Sonny, M. Byrd und Jonas David zeigten ihm, dass englischsprachiger Indie aus Deutschland längst keine Ausnahme mehr sein muss.
XANKY ließ sich inspirieren, fand seine Stimme – und mit ihr einen Weg, über schwierige Themen zu sprechen, ohne sie zu romantisieren.
Dass er seit über zehn Jahren mit einer Angststörung lebt, fließt unterschwellig in seine Musik ein. „Dad“ ist kein Therapie-Tagebuch, aber ein ehrlicher Blick auf das, was bleibt, wenn man aufhört, sich selbst etwas vorzumachen.
Das dazugehörige Video von Lucas Anderson zeigt XANKY mit voller Band bei einer Livesession mitten im Wald – eine passende Kulisse für einen Song, der zwischen Nähe und Distanz pendelt.
