Mit seinem Faible für das cineastische Format war Barry Adamson die Soundtrack-Idealbesetzung für den Dokumentarfilm „SCALA!!!“ von Jane Giles und Ali Catterall über das legendäre Londoner Underground-Kino.
Für die von Jane Giles – auf deren Buch „Scala Cinema 1978-1993“ der bereits 2023 erschienene Film basiert – und Ali Catterall initiierten Interviews mit Mitarbeitern und Stammgästen des Scala, rekonstruierte der Multitasker Barry Adamson aus den Erinnerungen der Zeitzeugen die berühmt-berüchtigte Atmosphäre des Lichtspielhauses.
Die Plätze werden mit den Album-Opener „SCALA!!!“ zu wirbelnden Drums und Surfsound eingenommen, stellt die Hammondorgel cool die „Timelines“ für Doppelvorführungen und B-Movies aller Kategorien vor, die Flöte und Bongos auf großformatige „Scala Posters (Mondo Bongo)“ malen.
„As Steve Wooley Sees It“ öffnet den Vorhang für die Show des Bad-Seeds-Gründungsmitglieds, der „Babs Johnson Is Divine“ fordernd mit der Hüfte wippen lässt, den „Barry’s Iranian Embassy Blues“ als transparentes Arrangement stehen lässt und mit flackernden Gitarren „Another All Nighter“ durch die Nacht begleitet.
So wie „Jane`s Day Out In Court“ auf dem Album hallend-rockig in seinen Bann zieht, tat dies das Scala-Programm seinerzeit mit experimentellen Sex-, Martial-Arts- und LGBTQ-Filmen, bot unter seinem Dach in Zeiten der Regentschaft der eisernen Lady Margaret Thatcher den Nährboden für Gegenkultur und Rebellion von „Black Leather Lovers“ und allen anderen – „Iggy And Lou And Mick Rock Too“ – wilden wie innovativen Geistern.
Lasziv übergestreifte „Latex Gloves“-Klänge generieren Neugier auf „Sodom And Tomorrow“, was von Musiker Adamson so nachvollziehbar in den Tonspuren dokumentiert wird wie das Knistern von „Acid Celluloid“ und die heißen Diskussionen über „Spandau Politics“ – selbstverständlich ebenso unverzichtbar der samtpfotige Tritt der „Scala Cats“ Warren, Roy und Huston.
„Das Scala hatte etwas Magisches. Es war wie die Mitgliedschaft in einem exklusiven Club …… wie ein Country Club für Kriminelle, Verrückte und Kiffer … was eine gute Art ist, Filme zu sehen.“ äußerte sich Roger Waters zum Thema.
Barry Adamson bindet die Stimmung vor der „King`s Cross Skyline“ in Musik, lässt mit seinen noctambulen Kompositionen am Glanz des Scala teilhaben.
„SCALA!!! Or, the incredibly strange rise and fall of the world’s wildest cinema and how it influenced a mixed-up generation of weirdos and misfits“ hieß die Doku mit vollem Titel und das spiegelt sich auch in Barry Adamsons Soundtrack-Album wider.
