Sich nach einer Grammy-Nominierung sechs Jahre Zeit für das nächste Album zu lassen, klingt erstmal nach zu großer Erwartungshaltung. Sascha Ring aka Apparat hatte sich aber laut eigenen Aussagen neu orientieren müssen und richtete den Fokus auf politisch und persönlich drängende Fragen. „A Hum Of Maybe“ ist das Ergebnis eines selbst auferlegten Songwriting-Marathons und mal wieder ein unfassbar vielschichtiges und zeitgleich persönliches Meisterwerk.
Jeden Tag ein Song-Entwurf. Das nahm sich Apparat 2025 vor und sammelte dabei über mehrere Wochen hinweg unterschiedlichste Fetzen, die jetzt in „A Hum Of Maybe“ gebündelt erscheinen. Diese Ideen brachte der Komponist mit seinen Langzeit-Kollaboratoren an den Instrumenten zusammen und lud zudem zwei Gäste ein. Der Rest stammt von Apparat selbst.
Schon mit seinen vorigen Veröffentlichungen machte sich der in Quedlinburg geborene Musiker einen Namen mit zutiefst bewegenden Arrangements, die analoge Instrumente mit elektronischen Sphären verschmelzen. Darin finden sich immer wieder Anekdoten an Bands wie Talk Talk, dennoch hat die Struktur immer etwas völlig Eigenes, Lebendiges.
Auf “ Hum Of Maybe“ wird daran angeknüpft, nun aber mit noch mehr Fokus auf der Geschichte unter der pulsierenden Oberfläche. Ring widmete das Album der Liebe, vor allem der zu seiner Tochter, und stellt diese Idee vielfältig zusammen.
„Glimmerine“ startet das Album auf das Nötigste heruntergebrochen und baut ausschließlich auf Sascha Rings Stimme und sanftes Hintergrundwabern – bis ein Störgeräusch der Melancholie vermeintlich ein Ende bereitet. Schließlich treffen sich ein düsteres Wummern, ein tänzelndes Tönen, wunderschöne Melodien und breite Synth-Flächen zu einem gemeinsamen Tanz.
Dieses Rezept aus plötzlichen Stimmungsverschiebungen bleibt ein Kernelement das Albums – die analoge Grundlage wird durch die elektronischen Störer herausgefordert und neu konzipiert. Mit unterschiedlichem Ergebnis:
„A Slow Collision“ und „An Echo Skips A Name“ klingen nach kreisendem Electronica, der warme Mäntel um Schultern legen möchte.
„Tilth“ wiederum, das Apparat gemeinsam mit der armenisch-amerikanischen Künstlerin KÁRYYN performt, wird zu einem der eindrucksvollsten Songs der Apparat-Diskographie, indem es die beiden Stimmen immer wieder zerfrickelt, verfremdet, neu arrangiert und aufeinander prallen lässt. Es ist eine zutiefst melancholische Neu-Definition von dem, was in der Pop-Geschichte als Duett verstanden wird.
Diese nah gehende Sentimentalität und Wärme, die sich zwischen Klaviertasten, Posaunen-Melodien, Cello- und Klavierarrangements und immer wieder auch den elektronischen Konstellationen verbirgt, ist unvergleichlich und unwiderstehlich. Das Warten hat sich gelohnt.
