Daniel Blumbergs „The Testament Of Ann Lee“ ist kein klassischer Soundtrack, sondern viel mehr asketisches Klangritual, das recht körpernah ausfällt.
Der britische Komponist und Musiker Blumberg wurde ursprünglich als Sänger und Gitarrist in Indie-Bands wie Cajun Dance Party und Yuck bekannt, bevor er sich der Filmmusik zuwandte und damit 2025 richtig auftrumpfen konnte. Für seine Arbeit an „The Brutalist“ gewann er den Oscar für die beste Filmmusik. Seither ist er als einer der interessantesten neuen Stimmen im Bereich der Score-Komposition begehrt.
Nun hat er sich in den Dienst von „The Testament Of Ann Lee“ gestellt, ein historisches Musik-Drama von Mona Fastvold mit Amanda Seyfried in der Rolle der Ann Lee, einer Gründerin der religiösen Shaker-Gemeinschaft.
Entsprechend stark ist Blombergs Ansatz von traditionellen Shaker-Hymnen inspiriert, deren Einfachheit und meditativer Charakter das Grundgefühl seiner Partituren prägen. Seine Arbeitsweise wirkt dabei improvisatorisch und kollaborativ.
Stimmen, Atem, Rhythmus und sparsame Instrumentierung vergemeinschaften sich zu einer Klangkulisse, die weniger illustriert als beschwört. Vieles an der Musik entsteht aus organischen Klängen des menschlichen Körpers.
Body-Percussion auf 33 Tracks in über 78 Minuten hat abseits der Geschichte allerdings nicht nur seine Längen, sondern birgt auch neurologische Grenzerfahrungen, die man auszuhalten nicht unbedingt bereit sein muss.
Ambitioniert ist der Soundtrack allemal, unterstreicht er die Rituale und spirituellen Zustände der Figuren doch mitunter lautmalerisch. Als eigenständiges Kunstwerk, ohne die Bilder, ist es allerdings kaum ein Vergnügen.
