70,- Euro für AnnenMayKantereit, fast 80,- für Provinz! Die Konzertticketpreise für sogenannten Deutsch-Indie-Pop taugen zur Zeit als perfektes Aufreger-Thema. Auch wenn man sich vielleicht nicht direkt danach sehnt, so muss doch irgendeine Gruppe her, die quasi das gleiche Programm liefert, nur günstiger.

Zugegeben – die Rosenheimer Hoffnungsträger Kaffkiez überzeugen vielleicht auch nicht gerade mit Dumping-Preisen (55 Euro für eine Show), aber das mit dem gleichen Programm klappt ganz gut.

In der Indie-Szene ist inspiriert zu sein natürlich kein Unding und bei Kaffkiez auch kein neues Phänomen. „Wir haben AnnenMayKantereit zuhause“, wurde schon an anderer Stelle als Prädikat für die beiden Vorgängeralben festgehalten, nur etwas netter formuliert.

Vielseitigkeit oder Einzigartigkeit ist nicht das Forte der Band, und auch die Texte scheinen nicht oberste Priorität zu haben: Für alle Phasen des Verliebtseins ist etwas dabei, vom Kennenlernen über die rosarote Brille bis zur (mal mehr, mal weniger, aber eher weniger betrübten) Trennung.

Besonders „Eine Frage“ klingt weniger nach „Mitte 20“ als maximal nach Ende 17. Aber ihre Unreife wissen Kaffkiez textlich generell zu ihren Gunsten auszuloten.

Ist aber auch nicht so wichtig: Entscheidend ist am Ende nur, dass man sich zu den Songs gut im Arm liegen kann, und dass man den Spaß der fünf Jungs nachempfinden kann.

So seicht das Gesamtpaket bleibt, so sehr verleitet die Band auch dazu, bewusst nach kleinen Hörgenüssen Ausschau zu halten. Und die liefern sie auch in guter Regelmäßigkeit:

In „Angst zu Sterben“ spielt die wohl melancholischste Mundharmonika der aktuellen Poplandschaft; „Capri Sonne“ klingt wie ein Werbespot für sommerliche Getränke, der Bass jedoch eher nach Benzindunst.

Highlight ist ganz klar der ironische wie ansteckend gut gelaunte Angeber-Song „Benz“. Außerdem ist der Text der am schärfsten gefeilte des gesamten Albums: „Alles glänzt/ Statt Papas Liebe fahr ich heute ’nen Benz/ […] Mama sagt das Glück ist käuflich/ also hör auf zu flennen!“

Woher man die Melodie zu kennen glaubt? Von Bosse – Das Deutsch-Indie-Pop-Bingo ist also komplett.

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