Auf seinem Albumcover mal eben John Cale, Marc Jacobs und Martin Scorsese zu versammeln, muss man auch erstmal schaffen. Charli XCX veröffentlicht mit „Music, Fashion, Film“ dem Titel und Album-Cover zum Trotz ein ungewöhnlich persönliches Album.
„The Dance Floor Is Dead So Now We’re Making Rock Music“ ist die Hook des Openers und der ersten Single zu diesem neuen Album-Zyklus. Das von einer Person zu hören, die mit „Brat“ 2024 die Dancefloors der Welt bestimmt haben, lässt natürlich erstmal schlucken. Mit klassischem Rock hat „Music, Fashion, Film“ jetzt ungefähr so viel zu tun wie das Albumcover mit Diversität, aber: Die Haltung hat sich trotzdem spürbar verändert.
Charli XCX hat sich genau deswegen so etabliert, weil sie eben immer häufiger eher Vorreiterin denn Mitläuferin war. Trends für die Popkultur bestimmte die Britin längst mit, egal ob mit ihrem Solo-Projekt oder als Schauspielerin, Autorin, Produzentin und Komponistin.
Nun ist auf diesem Album eben nicht nur die Tanzfläche tot, sondern auch die Welt kurz vor dem Kollaps, wie „SS26“ sagt: „We’re Walking On A Runway Straight To Hell“. So hedonistisch ausgelassen wie auf „Brat“ wird dann eben nicht mehr getanzt, die Hooks der Platte treten in monochromen Farben auf, nur selten wird dann doch ausgebrochen.
Inmitten dieses gesetzten Alternative-Pop-Entwurfs, der nicht selten an eine elektronische Version von Lily Allens Phase von „It’s Not Me It’s You“ erinnert, setzt das Popkultur-Phänomen den Blick nach Innen:
„Camera“ inszeniert das Fotografiert-Werden als eine Chance, dem Selbst zu entkommen, „I’m Afraid“ gibt den Ring aus Angst vor dem Enttäuschen lieber wieder zurück und „No One Lasts Forever“ bespricht das Erdrücken durch die Urteile der Gesellschaft. Und dann bricht „Wink Wink“ vielleicht doch wieder alles auf und bringt eine potentiell sarkastische Ebene in das Konzept.
Dazwischen geht es in die Dialoge mit einem Gegenüber („Persona“, „Magic Metal Montana“), das hier erhaben inszeniert wird, bewundert wird für die eigene Art. Im Hintergrund fasern dazu Störgeräusche, streicher-ähnliche Synthies, mal wichtige Drums, immer wieder völlig verzerrte E-Gitarren.
Spannend bleibt: Hinter „Music, Fashion, Film“ saßen mit A.G.Cook und Finn Keane dieselben Produzenten, die Charli auch bei „Brat“ unterstützt haben.
Wenn 2026 dann die Puste für die Tanzfläche bei all den Katastrophen langsam wirklich ausgeht, hat Charli XCX vielleicht ein weiteres Mal die Vorlage für die nächste Popkultur-Ära gelegt.
